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Aus der Geschichte der Grafschaft Hauenstein

 


Das Hauensteiner Banner als Beutefahne in Luzern
Ein Besuch im Luzerner Historischen Museum

 

Zum Auftakt in die Franziskanerkirche

Angemeldet waren meine Frau und ich im Historischen Museum Luzern zu 14.00 Uhr. Mit dem Zug aber trafen wir bereits am späten Vormittag in Luzern ein. Genug Zeit also, um zuvor der Franziskaner Kirche einen Besuch abzustatten und dort die Freskenbänder der Fahnen zu betrachten. Unter den 42 in Form von Fresken dargestellten Fähnlein, Fahnen und Bannern befindet sich auch eine Abbildung der Hauensteiner Fahne mit dem bewurzelten Nadelbaum und Eichhörnchen. Im aktuellen Kirchenführer "Herzlich willkommen in der Franziskanerkirche", heißt es dazu unter der Überschrift: "Beutefahnen in der Kirche?":

"Die Franziskaner wirkten (seit etwa 1270 J.R.) als Seelsorger der rasch wachsenden Stadtbevölkerung. Kloster Bürgerschaft und Rat von Luzern waren eng miteinander verbunden. Ratsversammlungen fanden regelmäßig in den Räumen der Barfüssermönche statt. Die Bürger gingen in der Kirche ein und aus. Für viele diente das Klosterareal als Beerdigungsort. Die Franziskaner und ihre Kirche gehörten ganz einfach zur Stadt.
So wird besser verständlich, dass seit der Schlacht von Sempach (1386) die von der Stadt in Kriegszügen eroberten Beutefahnen an den Seitenwänden des Mittelschiffs in der Franziskanerkirche selbstbewusst zur Schau gestellt wurden. Ursprünglich waren es die wirklichen Banner. Im 17. Jahrhundert war die Bannerseide mürbe geworden und der Siegerstolz sichtlich verblasst. Damals ersetzte man die Fahnen durch gemalte Kopien, wie sie heute noch zu sehen sind. Die Ausstrahlung des Kirchenraumes wird allerdings von der ursprünglichen Siegerpose kaum berührt." (Text von Felix Hilfiger, Luzern o. J.).

Zu ergänzen wäre, dass sich Luzern als Aufbewahrungsort für derartige Symbole anbot, da es ihre Bürgerschaft war, die 1332 den "EWIGEN BUND" mit Schwyz und Unterwalden schloss, der als Keim der Schweizer Eidgenossenschaft gesehen werden muss. Die Schweiz, wie wir sie heute noch kennen wurde gleichsam an den Ufern des Vierwaldstätter Sees begründet.

Während wir uns in der Kirche umschauten und unter anderem die prachtvollen Holzbildarbeiten der Kanzel bewunderten, wurde an den Fahnendarstellungen gearbeitet. Wir haben dieses Zeugnis einer ständigen Restauration neben einer Abbildung unserer Hauensteiner Fahne (linkes Bild, dritte von links) im Bild festgehalten.

faehnlein
franz

 

Die Fahne der Hauensteiner im Museumsmagazin

Später gingen wir hinüber zum nahe gelegenen Historischen Museum.
Zunächst muss unterschieden werden zwischen dem Museumsmagazin am Rande der Stadt und den eigentlichen, für Museumsbesucher gedachten Ausstellungen im alten Zeughaus der Stadt in der Pfistergasse.
Der Anlass unseres Besuches führte uns zunächst in das Magazin. Um genau zu sein: wir wurden geführt bzw. gefahren. Wir wollten die Nachbildung der alten Hauensteiner Fahne, die im Schwabenkrieg 1499 von den Eidgenossen erbeutet wurde, in Augenschein nehmen und fotografieren. Herr Dr. Heinz Horath, der Direktor des Museums und sein Mitarbeiter Herr Hans Wicki hatten nicht nur dafür gesorgt, dass die auf einer Holzplatte gemalte Fahne von irgendwoher aus der Fülle der im Magazin schlummernden Exponate ans Licht und in den Eingangsbereich gebracht wurde, sie liessen es sich auch nicht nehmen, uns persönlich vom Gebäude des Historischen Museums aus dorthin zu fahren.
Wir machten unsere Aufnahmen, die hier wiedergegeben werden, gaben gern Auskunft über die Gründe unseres Anliegens und die Umstände, die vor 510 Jahren das Originalbanner des Hauensteinischen Landfahnen in Schweizer Hand geraten liess (vgl. dazu den Aufsatz "Über das Wappen der Grafschaft Hauenstein").

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Im ersten Bild ist in aufgerichteter Position die Holztafel abgebildet, auf der das Hauensteiner Banner übertragen wurde und die dann oben und unten und nach rechts hin ausgesägt wurde. Auf diese Weise konnte ein Betrachter den Eindruck einer im Freien wehenden Fahne gewinnen. Auf dem Fahnentuch ist rechts unten die Nummer 30 (in der Reihe der Beutefahnen) und das Jahr der Inbesitznahme "1499" zu erkennen.
Wenn wir uns Details aus dieser Fahnendarstellung anschauen fällt auf, wie lebendig das Eichörnchen, knabbernd an einer Frucht, überliefert wurde. Die sechs Einhörnchen haben nicht alle die gleiche Färbung.

Außerdem ist dem im Ausschnitt abgebildeten Signet einmal die laufende Nummer, die die Fahne offenbar später in der Reihe der insgesamt 42 Beutefahnen, die in der Franziskanerkirche abgebildet sind, erhalten hatte und das Jahr der Übertragung auf die Holztafel zu entnehmen.

 

Über den Besuch im Historischen Museum

Noch selten hat meine Frau und mich ein Museumsbesuch so nachhaltig beeindruckt wie der im Historischen Museum der Stadt Luzern. Der erste Eindruck war irritierend, wegen der Fülle des im Erdgeschoss zunächst regellos erscheinenden Ausstellungsmaterials. Waren wir vom eigenen Museum daran gewöhnt, gleichsam auf den ersten Blick hin, das Grundthema eines Ausstellungsraums zu erkennen. Im Heimatmuseum Görwihl zum Beispiel lässt sich ohne jede Erläuterung im Erdgeschoss gleich sehen, dass hier Gerätschaften, ja ganze Handwerke aus der bäuerlichen Arbeitswelt vergangener Generationen zusammengestellt worden sind.
Die Ausstellungssystematik im Luzerner Museum erschliesst sich nicht so rasch - und schon gar nicht gleich ohne jede Erläuterung. Wohl ist eine Buchstaben- und Zahlenkombination an und vor Vitrinen und Raumelementen unübersehbar. Doch Beschreibungen oder Benennungen sind nur wenige vorhanden. Stattdessen finden sich, zum Beispiel an den Scheiben der Vitrinen oder bei Bildern und anderen frei stehenden oder in Ausstellungskästen befindlichen Ausstellungsstücken Papierstreifen mit einem Strichcode, wie sie uns von den Einkaufsmärkten her vertraut sind.
Die freundlichen Damen, die am Eingang Dienst tun und die Eintrittkarten verkaufen händigen jeder Besucherin/jedem Besucher ein relativ grosses (im Vergleich zu einem Handy) Lesegerät aus, mit dessen Hilfe man nun entweder der darauf programmierten Führung durch das Museum folgt oder aber, je nach Interesse, direkt zu den jeweils interessierenden Objekten geht. Dort richtet man das Lesegerät auf den Strickcode, drückt eine Taste über die ein Infrarotabtaster das Informationsdisplay zu diesem Ausstellungsstück aktiviert. Nun erhält man auf dem kleinen Bildschirm des Geräts die Informationen, die zu dem angewählten Ausstellungsgegenstand eingespeichert wurden. Mehr noch: auf der jeweils vorhandenen zweiten Seite wird auch über die Quellen der Informationen Auskunft gegeben. Da bleiben für den historisch interessierten Besucher keine Wünsche offen.
In der obersten Etage wird mit vorzeitlichen Funden und interessanten Modellen aus der Besiedlungsgeschichte Luzerns gleichsam die historische Chronologie begonnen. Dort aber gelangten wir zuletzt hin, nachdem wir uns in die Zeiten unserer Eltern und Grosseltern in den ersten beiden der vier Etagen versetzen konnten. Doch diese Gangrichtung von der jüngsten bis in die älteste Vergangenheit wird - dank der Lesegräte - unerheblich. Ausserdem konnten wir, wie zum Beispiel in der benachbarten Galerie Rosengart - jederzeit zu jenen Exponaten zurückgehen, die uns besonders interessierten oder die wir bisher noch nicht ausreichend betrachtet hatten. Kurz: die Idee, Lesegeräte in dieser Weise anzubieten, ermöglicht es alle Informationen abzurufen, die für das Verständnis eines Exponats bedeutsam sind. Enorm, so stellten wir fest, muss der mit der Abfassung der informierenden Texte verbundene Arbeitsaufwand gewesen sein.
Besonderes Interesse bei uns und - wie wir Ohren- und Augenzeugen wurden - auch bei anderen Besuchern, fanden die Gebrauchsgegenstände, wie sie im vergangenen Jahrhundert in Büros und Haushalten zu finden waren. Elektrogeräte, Telefone oder Büromaschinen weckten bei älteren Besuchern Erinnerungen, die sie sogleich ihren Kindern und Enkeln mitteilten. Wir wissen natürlich nicht, ob immer so viele Familien mit Kindern im Museum sind, wie an diesem Nachmittag. Es lockten die Fachkräfte vermutlich mit einer Sonderausstellung "Schokolade" und mit künstlerischen Aufführungen zusätzliche Besucher ins Haus, so dass sich in den räumlich nicht sehr grossen Ausstellungsräumen, in die auch die Treppenaufgänge einbezogen sind, eine grössere Anzahl grosser und kleiner Besucherinnen und Besucher tummelten. Den zufälligen Besuchern - wie uns beiden - vermittelten die beiden Stunden, in denen wir in diesem Hause waren den Eindruck, als würden die Ausstellungen gern und zahlreich besucht.
Und noch ein bleibendes eindrückliches Detail zum Schluss: Der Treppenaufgang führt um eine von Engeln gekrönten gotischen Brunnenaufbau herum, die draussen, auf der Spitze des Weinmarktbrunnens, den sie einst zierten, wohl kaum so detailliert konnten betrachtet werden. Hier im Museum standen sie uns dicht vor Augen und reizten uns dazu, sie im Bild festzuhalten.

 

brunnen
figur

 

Der Leitung des Historischen Museums und allen ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern möchten wir mit diesem Beitrag zugleich unseren Respekt für ihre Leistungen und unseren Dank für einen unvergesslichen Besuch ausdrücken. Und wenn uns unser Weg wieder nach Luzern führt, werden wir den Besuch sicher wiederholen.

Dr. Joachim Rumpf
02.05.2009

 

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