wappen

Die Salpetererunruhen im Hotzenwald


Über die Einungen in der vorderösterreichischen Grafschaft Hauenstein

 

Einführung

Einige Informationen über Herrschaften am Hochrhein und im südlichen Schwarzwald
(Hotzenwald).

1. Die ersten Städte in unserem Raum
In spätrömischer Zeit bildeten die Bischofssitze in Straßburg, Basel (Ende 4. Jahrhundert) und Konstanz die Keimzellen städtischer Siedlungen. Die Stadt als ein Gebilde mit gesondertem Rechtsstatus leitet sich also aus der "antiken Tradition der Römer- und Bischofsstädte auf germanischem Boden her Mit ihrer Verfassung und wirtschaftlichen Struktur wurden sie zum Vorbild später entstehende städtische Gemeinwesen…"(Oeschger Bernhard, 1978, S. 74.).

2. Die "Marktorte" der karolingischen Epoche, verdanken ihre Gründung nicht zuletzt den Kaisern, die von Pfalz zu Pfalz, ihren Regierungsorten im frühen und hohen Mittelalter, zogen und für sich und ihren zahlreichen Tross Unterkünfte und Nahrungsmittel brauchten. In Zürich zum Beispiel bestand bereits 930 ein Markt als kaiserliche Gründung. Aber auch die Reichsklöster wie Säckingen, Reichenau und St. Gallen waren Kaiserhöfe und hatten die Kaiser zu beherbergen. Sie waren nicht zuletzt darum auch reichlich mit Landbesitz und besonderen Rechten begabt worden.(Über Bad Säckingen und seine Geschichte vgl. die Seiten von Marco Schwarz!)

3. Zu den frühmittelalterliche Klöstern gehörte auch das von Fridolin (er wirkte an der Schwelle vom 8. zum 9. Jahrhundert in unserer Landschaft vom Rhein bis zum Bodensee) gegründete Kloster auf der Rheininsel. Wann die dazu gehörende Marktsiedlung entstand und zur Stadt erhoben wurde, ist nicht mehr genau zu ermitteln, da 1272 das Kloster abbrannte und alle Dokumente mit verbrannten. Das 10. oder 11. Jahrhundert wird als Entstehungszeit angenommen, da eine andere städtische Siedlung auf dem Grundbesitz des Klosters, die Stadt Laufenburg, 1207 gegründet wurde, in einer Zeit, als der Marktort Säckingen bereits bestand.

4. Die spätere Stadt Säckingen ist also mit Sicherheit eine herrschaftliche Gründung des Stifts und erhielt von diesem - gefördert durch den Kaiser als oberstem Lehnsherr - nach und nach alle städtischen Privilegien. 1316 z. B. bestätigte Herzog Leopold von Habsburg-Österreich die Freiheiten der Stadt Säckingen.

5. In dieser Periode, also im 14. Jahrhundert, war die Glanzzeit des Stifts bereits vorüber. In der Zeit der Ottonen im 10. Jahrhundert war dem Stift Säckingen wie auch anderen Reichsklöstern die volle Immunität verliehen worden. Das hieß, sie waren vor landesfürstlichen Machtansprüchen geschützt und unterstanden allein der Jurisdiktion des Königs bzw. dessen bestellten Lehensträgern.
1173 verlieh Kaiser Friedrich Barbarossa seinem Lehensmann Albrecht III. von Habsburg die Hoheit über das Kloster (die Reichsvogtei) und dessen gesamten Besitz - also auch über die Stadt Säckingen und den Markt Laufenburg. Als Vogteisitz wählten die Habsburger ihre Burg (ihr Schloss) in Laufenburg und gründeten auf Stift-Säckingischem Grundbesitz) eine Stadt.
Der Anspruch auf die Reichsunmittelbarkeit ging also an die Habsburger über, deren Rudolf 1273 dann sogar zum König gewählt wurde.
De Jure blieb die jeweilige Äbtissin Hoheitsträgerin und wurde im 14. Jahrhundert sogar in den Reichsfürstenstand erhoben.
Stift und Stadt Säckingen aber blieben bis 1805 als Habsburger Erbbesitz bei Habsburg-Österreich.
6. Eine vergleichbare Entwicklung nahmen auch andere Herrschaften, denen es nicht gelang, sich den Habsburgischen Ausdehnungs- und Machtbestrebungen zu entziehen. Zu diesen gehörte auch das Geschlecht der Tiefensteiner zu deren Besitz die von ihnen im vorderen Hotzenwald angesiedelten Bauernschaften mit ihren besonderen Rechten gehörten, aus denen sich die späteren Einungsgenossenschaften entwickelten. Die Habsburger, die zur Sicherung ihrer Ansprüche und Besitzungen auf dem Schwarzwald, mit dem sie 1254 belehnt worden waren, die Stadt Waldshut gründeten, tasteten die Selbstverwaltungskörperschaften der so genannten Freibauern nicht an.

7. Der von den Habsburgern so genannte Verwaltungsbezirk "Grafschaft Hauenstein" (benannt nach dem vorübergehenden Sitz des ersten Waldvogts auf der Burg Hauenstein im Rheintal) umfasste die Einungen auf dem Wald. Zu ihnen gehörten die Siedlungen zwischen der Wehra im Westen, der Schlücht im Osten, dem Rheintal im Süden und der Grenze zum Zwing und Bann im Norden. Auch die "zugewandten" Talschaften Todtnau und Schönau kamen später hinzu. Der Sitz des Waldvogts - über mehrere Generationen bekleideten die Schönauer dieses Amt - wurde Waldshut bis auch hier Amt und Zuständigkeit mit dem Übergang an Baden endeten.

Die hier zusammengestellten Informationen sind vor allem folgenden Schriften entnommen:

Baumgartner, Stefan: Zwischen Tradition und Revolution. Das Problem der "Freiheit" und "Herrschaft" in der Verfassungsgeschichte der Grafschaft Hauenstein im Kontext der "Salpeterer-Unruhen" des 18. Jahrhunderts. Unveröffentlichte Wissenschaftliche Arbeit im Fach Geschichte an der Universität Freiburg i. Br. Im SS 2006
Enderle, Adelheid: Das adelige Damenstift zu Säckingen. In: Nachbarn am Hochrhein. Eine Landeskunde der Region zwischen Jura und Schwarzwald. Hrsg.: Fricktal-Badische Vereinigung für Heimatkunde. Möhlin CH 2002, Bd. 1, S. 223 - 291
Kistler, Martin: Die Verfassung der Grafschaft Hauenstein im Vergleich mit der Entwicklung und den Verfassungen der Schweizer Urkantone und den Bestrebungen genossenschaftlicher Selbstverwaltung in Vorderösterreich. Basel 2006
Oeschger Bernhard: Die Geschichte der Stadt Säckingen.. In: Ott, Hugo (Hrsg.): Säckingen. Geschichte der Stadt. Stuttgart 1978, S. 73 - 130
Ruch, Joseph: Geschichte der Stadt Waldshut. Waldshut 1966
Schib, Karl: Geschichte der Stadt Laufenburg. Aarau 1951

Zu Geschichte und Verfassung der Grafschaft Hauenstein vgl. auch Wikipedia: Grafschaft Hauenstein

Einungsverfassung und die Salpetererunruhen

Auslöser der später so genannten Salpetererunruhen ist die Überzeugung einiger der betroffenen Einungsgenossen in der ehemaligen Grafschaft Hauenstein, dass ihnen ihre von alters her überkommenen Rechte und Freiheiten genommen werden. Zu diesen Rechten gehörte die Selbstverwaltungskörperschaft der Einungen und zu den Freiheiten die unmittelbare Zugehörigkeit eines Teils der Einungsgenossen zum Hause Habsburg.

Zunächst einige Bemerkungen zu dem hier angesprochenen Freiheitsbegriff (vgl. dazu auch die Seite mit dem Aufsatz zu der Frage: Waren die Salpeterer Freiheitskämpfer?" ). Er wird verständlich wenn wir uns die Lehnsverfassung ins Gedächtnis zurückrufen, die sich im Mittelalter herauszubilden begann.

Danach vergab der König - stark verkürzt und schematisch betrachtet - Ländereien mit den darauf lebenden Menschen an die ihm nachgeordneten Vasallen (Fürsten, Herzöge, Grafen und andere Edle), die aus den erhaltenen Lehen ihre Einkünfte bezogen. Als Gegenleistung hatten sie dem Kaiser Heeresfolge zu leisten.
Als sich Städte herausbildeten, strebten viele von ihnen danach, "freie" Städte zu werden. Das hieß nichts anderes, als ebenfalls nur der Jurisdiktion des Königs bzw. eines von ihm beauftragten "Stellvertreters" direkt zuzugehören und nicht irgendeinem seiner adligen Vasallen, ihm Steuern zu bezahlen - und bei Bedarf auch Heeresfolge zu leisten.

Ein Teil der Bauern auf dem Wald nun waren ebenfalls solche reichsfreien beziehungsweise reichsunmittelbaren Untertanen. Sie leisteten ihre Abgaben nicht an eine Instanz, die sich zwischen ihnen und dem Kaiserhof mit ganz eigenen Rechten geschoben hatte, sondern unmittelbar dem König und an die von ihm ausdrücklich berufenen Lehnsmänner. In unserem Raum war das, wie oben bereits erwähnt, ab 1254 der Graf von Habsburg. Natürlich sammelte dieser die Abgaben nicht selbst ein, genau so wenig wie die Klöster in unserem Raum das taten. Hierfür wurden "Meier" eingesetzt bzw. berufen. Nicht selten waren das ursprünglich selbst Bauern, die einen "Meierhof" betrieben und verwalteten, die Naturalabgaben sammelten und verwalteten. Mit der Zeit konnten verdiente Meier in den Adelsstand werden.

Diejenigen Herren aus dem Adel, die vom König beauftragt wurden, in seinem Namen bzw. an seiner Statt die hohe Gerichtsbarkeit auszuüben sowie die ihnen anvertrauten Landschaften und/ oder Reichslehen zu zu schützen und ihrem Herrn, dem König, Heeresfolge zu leisten, waren die Grafen. Zum Vogt des reichsfreien Stiftes Säckingen, dem alamannischen Frühkloster in unserer Landschaft, wurde zum Beispiel im Jahre 1253 der Graf von Habsburg bestimmt, jener Rudolf, der einige Jahre später (1273) selbst zum König gewählt wurde. Es übten aber diese "Reichsgrafen" nicht immer und überall selbst die Vogtei aus, sondern beriefen ihrerseits Vögte die in der Praxis ihre juristischen und militärischen Aufgaben wahrnahmen. Das waren, wie es am Beispiel der Habsburger gut nachweisbar ist, Verwandte und Vertraute des Königs. Bereits unter den Söhnen wurde geteilt: die Grafschaft Habsburg Laufenburg fiel an. Nachdem der letzte der Habsburg-Laufenburger Grafen verstorben war, im Volksmund der "gute Graf Hans", fiel sein Erbe zurück an das Haus Habsburg, wurde. Es übten aber diese "Reichsvögte"

Es waren also jeweils Vögte eingesetzt, die die Interessen der Herrschaften wahrnahmen und zum Beispiel in deren Namen Recht sprachen und richteten und die jeweiligen Geldbußen einnahmen. Auch er wurde jeweils unter dem ortsansässigen Adel ausgewählt und vertrat gleichsam den König bzw. seinen obersten Lehnsherrn vor Ort. Bei uns war das der "Waldvogt", dessen Sitz auf der Burg Hauenstein und später in der Stadt Waldshut war.

Um Missverständnisse zu vermeiden ist es höchst bedeutsam zu wissen, dass die hier gemeinte Freiheit nichts mit der bürgerlichen Freiheit unserer Tage beziehungsweise dem Verständnis von persönlicher Freiheit des Individuums, so, wie wir es verstehen, zu tun hat. Es ist ja auch, wenn wir genau hinschauen, auch heute unsere persönliche Freiheit eingeschränkt, wenn wir uns in unserer Rolle als Bürger eines Gemeinwesens beziehungsweise eines Staates sehen. Auch wir haben, wie die Bauern und Bürger im Mittelalter, unsere Abgaben zu leisten und dürfen dafür vom Staat den Schutz von Leben und Eigentum erwarten. Nur ist dieser Staat, ebenfalls grob vereinfacht und typisch betrachtet, heute eine von uns allen getragene Körperschaft, die im Grunde jeder Einzelne mitverantwortet und mitgestaltet. Und im Mittelalter verkörperten den Staat Personen, wie Könige oder Kaiser oder Personengruppen wie mächtige Adelsgeschlechter und die Kirche. Ihre Zuspitzung erfuhr diese an Personen gebundene staatlicher Verfassung in der Zeit des Absolutismus, als ein König von sich sagen konnte: "Der Staat bin ich". Der bürgerliche Freiheitsbegriff, gekoppelt mit jenem von der Gleichheit aller Menschen, egal ob Bürger, Bauer oder Edelmann und mit jenem von der "Brüderlichkeit", heute sprechen wir von Mitverantwortung und Solidarität, bildete sich ja erst in der Aufklärung heraus, als jener geistesgeschichtlichen Periode, die die Französische Revolution vorbereitete. Darum ist es verständlich, dass die Salpeterer diesen (bürgerlichen) Freiheitsbegriff nicht meinen konnten. Wir sollten uns dessen stets bewusst sein, wenn wir heute vom "Freiheitskampf" der Salperer sprechen. Und wenn wir den Traum der Salpeterer in eine Formel bringen, dann können wir sagen: Die Salpeterer wollten nur dem Kaiser direkt angehören und keinem anderen Herrn.

Unser Freiheitsbegriff dagegen schließt diese Form der Zugehörigkeit zu einer den Staat verkörpernden beziehungsweise repräsentierenden Person völlig aus. Oder könnten Sie sich vorstellen, einem Bundeskanzler oder Ministerpräsidenten untertan zu sein, ihm anzugehören?

Wenn es keine persönlichen Freiheitsrechte in unserem heutigen Verständnis gab, worin sahen die Einungsgenossen im vorderösterreichischen Verwaltungsbezirk "Grafschaft Hauenstein" die Inhalte ihrer Freiheiten, wie sie von alters her überkommen waren?
Als ein bedeutsames Element dieser alten Freiheiten und Rechte ist die Mitwirkung an der niederen Gerichtsbarkeit zu betrachten.

Zur Grafschaft Hauenstein gehörten neben dem Zwing und Bann von St. Blasien und den Waldstädten am Hochrhein der "Wald" mit den acht Einungen, die über eine eigene Gerischtsverfassung verfügten. Sowohl der nachfolgende Text, der über Inhalte der Einungsverfassung Auskunft gibt, als auch die Übersichtskarte sind meinem Buch: Die Salpetererunruhen im Hotzenwald. Wolpadingen 2003, S. 32 ff entnommen.

 

 

Wie jedes Gemeinwesen heute, so bemühten sich auch in früheren Zeiten Bauern und Herrschaft um eine möglichst befriedigende Verwaltung. Im Vordergrund aber standen, in den Perioden der von den landbesitzenden Grundherren veranlassten Landnahme, die Sicherheit und der Schutz der Dorfgenossen. Diese Interessen führten zur Gründung von genossenschaftlichen Zusammenschlüssen, wie wir sie auch in Schwaben und von der Schweizer Geschichte her kennen. Für unsere Landschaft ist in einem 1371 in Wien verfassten Text zum ersten Mal von den Ordnungen und Gesetzen der Einungen, "wie sie alther gekommen sind", die Rede. Die Anfänge der Einungsverfassungen müssen also weit zurückliegen. Sie dürften, folgt man der Geschichte der Besiedlung, in die Rodungstätigkeit der Tiefensteiner, also in die Zeit des hohen Mittelalters fallen. Hier gibt es unter den Historikern keine einheitliche Meinung. Friedrich Metz schreibt zum Beispiel, dass die Einungen erst zwischen 1326 und 1333 entstanden seien. Wann immer sie auch gegründet wurden: Im achtzehnten Jahrhundert gab es sie noch, und sie waren in der absolutistischen Periode eine Besonderheit. Über die Herausbildung dieser kommunalen Vereinigungen im hohen Mittelalter liegen Forchungsergebnisse vor, die im folgenden Exkurs kurz angedeutet werden:

Vom "Haus" zur Gemeinde.
Im Europa des Mittelalters, war "das Haus" eine wirtschaftliche, gesellschaftliche, rechtliche und politische Einheit" und gewann seine "prägende Kraft... seit dem 13. Jahrhundert (Blickle, Peter: Das Alte Europa. Vom Mittelalter zur Moderne. München 2008, S. 21). Mehrer benachbarte "Häuser", zu denen jeweils Weide, Feld Vieh und Stallungen gehörten, schlossen sich zu "Gemeinden" oder Kommunen" zusammen mit dem Zweck, gegenseitigen Schutzes, der Sicherung des Friedens (Hausfriedens) und der Optimierung ökonomischer Notwendigkeiten (Nutzung von Wald, Wasser, Jagd u. dgl.). "Verhäuslichung, Verstädterung und Verdorfung gehen zeitlich Hand in Hand" und zwar in einem Zeitraum von 200 Jahren zwischen 1100 und 1300. (Blickle, 2008, S. 63 f).
Von den beieinander liegenden "Häusern" bzw. deren Hausherren, die die Gemeinde bildeten, wurde der Alltag organisiert, die zweckmäßigen Absprachen getroffen und mit den daraus erwachsenden Regeln des nachbarschaftlichen oder auch genossenschaftlichen Zusammenlebens Rechtsnormen geschaffen und deren Beachtung dann auch laufend kontrolliert und durchgesetzt. Sowohl die "Legislative" als auch die "Exekutive" wurde in Organisationsformen realisiert, wie wir sie aus der Einungverfassung her kennen. Es erscheint mit als plausibel, wenn wir heute davon ausgehen, dass jene Bauern, die als Siedler von den landbesitzenden Herrscherhäusern, geworben wurden, ihre Erfahrungen und Gepflogenheiten aus jenen Gemeinden mitbrachten, in denen sie herangewachsen waren. Und dazu gehörte die Organisation des Zusammenlebens, die Gemeinde(1).

Diese Zusammenschlüsse von Bauern , bei uns im südwestlichen Schwarzwald waren das die "Einungen", sicherten, neben gegenseitigen Schutz- und Hilfevereinbarungen, die Gleichstellung aller Genossen. Alle Menschen, die innerhalb der Einungsgrenzen ansässig waren, gehörten diesen Einungen an. In ihrer Funktion als eigenständige Verteidigungsgemeinschaft brauchte es kampferprobte Anführer. Die Hauptleute wurden ursprünglich von den Einungsmeistern ernannt. Am Ende des Mittelalters gingen die militärischen Aufgaben über in die Organisation des "Hauensteinischen Landfahnen". Noch immer wurden im Verteidigungs- bzw. Kriegsfalle die wehrfähigen Bevölkerungsteile aufgeboten. Nur band man die bewaffneten Bauernhaufen in die vorderösterreichische Heeresorganisation ein, und die militärische Führung wurde von der Regierung ernannt. Uns mag es heute überraschen, dass es nicht immer Berufssoldaten waren, die zu Hauptleuten ernannt wurden. Kurz vor Beginn der Salpetererunruhen war zum Beispiel der Pfarrer von Luttingen, Johann Kaspar Albrecht, bis 1711 Landfahnenkommandant und erwarb sich in dieser Funktion die Anerkennung des kaiserlichen Hofkriegsrats.

Die Einungsgenossen waren sich nicht immer einig. Unterschiedliche Interessen rührten nicht allein von der Zugehörigkeit zu bestimmten Grundherren oder Niedergerichten her, sondern mögen auch in dem wirtschaftlichen Gefälle von Nord nach Süd begründet gewesen sein. Die südlicher gelegenen Rodungsgebiete, zu denen unter anderem Gebiete der Einungen Murg, Hochsal, Görwihl, Birndorf oder Dogern gehörten, waren klimatisch etwas günstiger gelegen als die höheren nördlichen Regionen. Die Differenzen lieferten 1433 den Waldgemeinden den Anlass, erneut folgenden Bundbrief zu beschwören:

"Wir die Einungsmeister und das ganze Land vor und hinter Hag mitsammt den Thälern Todtnau und Schönau thun kund und zu wissen: Da jeweils eine gewohnheit und altes Herkommen bei uns gewesen, in allen dingen einig zusammen zu halten, und wir uns aber seit Kurzem her in etlichen Stücken und Handlungen voneinander gesondert, woraus viele Unfälle und geberechen für uns und unser Land entstanden sind, so haben wir uns neuerdings vereint, verpflichtet und verbunden, dass alle auf dem Wald hinfür in allen Sachen mit Thun und Lassen, sonderlich in Krieg und in Feindschaften, eins zusammen seyn und gehören wollen, wie vorher. Keiner soll sich vom Andern ziehen, sondern Alle wollen einander helfen in Frieden und Unfrieden gegen männiglich, so sich wider uns sezet oder uns angreift. Die auf dem Walde sollen Volkes gegen den Feind stellen drei Theile, Todtnau und Schönau den vierten Theil; alles jedoch ohne Abbruch der Rechte des Hauses Oesterreich und der Abtei Sankt Blasien."

"Stärker als anderswo" schreibt Heinrich Schwarz (Der Hotzenwald und seine Freibauern. In: Quellen und Forschungen zur Siedlungs und Volkstumsgeschichte der Oberrheinlande. Hrsg.: Friedrich Metz u.a. Hier: Der Hotzenwald, Bd. 2, 1.Teil. Karlsruhe 1940/41), "bestimmte der genossenschaftliche Gedanke das Verfassungsleben des Hotzenwaldes". Und was besonders anzumerken ist: Diese Selbstverwaltung, die mit ihren Elementen Wahl und Rechenschaftspflicht der Gewählten bereits recht demokratisch anmutet, war im Heiligen römischen Reich Deutscher Nation - vor allem in den süddeutschen Landschaften und darüberhinaus in anderen Ländern Europas - für die meisten Stadt- und Landgemeinden selbstverständlich, wie es die Kommunalismusforschung nachwies (Blickle, P.: Kommunalismus. Skizzen einer gesellschaftlichen Organisationsform. 2 Bde. München 2000, bes. Bd. 2). Und stets unterstrichen die gewählten Einungsmeister in ihren Erklärungen die Zusammengehörigkeit aller Einungsgenossen, so wie es in der Erklärung von 1433 zum Ausdruck kommt. Die Einungsgrenzen zeigt Karte auf der folgenden Seite. Wir sehen, dass die Herrschaft Hauenstein in acht Einungen gegliedert war. Die drei westlich gelegenen - und zusätzlich Wolpadingen - wurden unter ("ab") der Alb, und die vier östlich gelegenen über ("ob") der Alb genannt. Für jede Einung wählten alle Einungsgenossen, also auch Unfreie des Stifts Säckingen oder des Klosters St. Blasien, alljährlich am 23. April (St. Georgstag) ihren "Einungsmeister". Wahlberechtigt waren allerdings nur Männer: "ob arm oder reich, ob frei oder unfrei". Von den Männern durften wiederum aber nur die an den Wahlen teilnehmen, die verheiratet waren und einen eigenen Hausstand hatten. In jeder Einung traten in einem für die Wahl bestimmten Pfarrort nach dem Gottesdienst alle Wahlberechtigten auf einem freien Platz zusammen. Der bisherige Einungsmeister erklärte, dass er sein Amt aufgeben werde und Abbitte leiste, für alle während seiner Amtsführung vorgekommenen Versehen und Verschulden. Gewählt war jener Kandidat, für den sich die meisten Hände hoben. Die Gewählten waren verpflichtet, die Wahl anzunehmen.

Anfang Mai kamen die neu gewählten und die alten "Achtmannen" in Görwihl zur "Landsrechnung" zusammen. Es waren also stets sechzehn Personen, da kein Einungsmeister zwei Jahre hintereinander amtieren durfte. In Görwihl wählten sie, nachdem alle neuen Einungsmeister vom Waldvogt vereidigt worden waren, ihren "Redmann". Der Redmann, der die Grafschaft nach außen vertrat, wurde jeweils wechselweise aus den vier Einungen hinter der Alb und vor der Alb gewählt. Der Waldvogt, Repräsentant der Habsburger Krone, besaß Vorschlagsrecht und Stimme bei der Wahl des Redmannes. Auf die Wahl von Einungsmeistern durfte er dagegen keinen Einfluss nehmen und nicht einmal als Zuschauer dabei sein.
Seit 1730 war Fidel Josef Franz Anton von Schönau, Freiherr von Wehr, Waldvogt. Das Waldvogteiamt war verbunden mit dem Schultheißenamt der Stadt Waldshut, wo Franz Anton von Schönau seinen Wohnsitz nahm. In seine Amtszeit, er übte das Amt bis 1757 aus, fielen die Höhepunkte der Salpetererunruhen.
Am Treffen in Görwihl hatten die alten Einungsmeister in Gegenwart des Waldvolks zugleich Rechenschaft über ihre Wahlperiode abzulegen. Ein bemerkenswerter Brauch, der in unseren demokratischen Verfassungen insofern verloren ging, als die modernen Einungsmeister, die wir "Abgeordnete" nennen, ihren Wählern keine "Landsrechnung" mehr vorzulegen brauchen.
Um ihre Aufgaben wahrnehmen zu können, trafen sich die Einungsmeister in der Regel einmal monatlich. Ihr Treffpunkt war seit altersher das Hirschenwirtshaus in Dogern. Dort wurden auch alle Urkunden, Briefe und Steuerunterlagen in der "Einungslade" (einer verschließbaren Truhe) aufbewahrt.

Die Einungsmeister, die die Steuern und andere Lasten, die der Herrschaft zustanden, zu verteilen und einzuziehen hatten, vertraten ihre Wähler seit 1558 bei den vorderösterreichischen Landständen am Habsburger Regierungssitz in Ensisheim, der 1648, als nach dem Dreißigjährigen Krieg das Elsaß an Frankreich fiel, nach Freiburg verlegt werden musste. Noch heute befindet sich dort, im "Basler Hof", der Sitz des Regierungspräsidiums von Südbaden. In den vorderösterreichischen Landständen hatten unsere Bauernvertreter Sitz und Stimme, die vor allem bei der Bewilligung von Steuern und anderen Abgaben ins Gewicht fielen. Die Einungen waren also - gemeinsam vertreten durch Einungsmeister und Waldvogt - genauso wie die adeligen und geistlichen Stände und die Städte Mitglieder des vorderösterreichischen Landtages. Diese Regelung galt bis zur Auflösung Vorderösterreichs durch Napoleon, wenn auch in der Praxis nach den Salpetererunruhen die Einungsmeister auf den Landtagen nicht mehr erschienen.

Je zwei Einungsmeister waren bei den wöchentlichen Amtstagen des Waldvogts in Waldshut zugegen. Dort nahmen sie an allen Amtshandlungen, also auch an der niedergerichtlichen Rechtsprechung teil. Die Hauensteiner Freigerichtsstätte befand sich in Hochsal.
Die Rechte der Bauern in der Grafschaft Hauenstein waren also für die damaligen Verhältnisse nicht gering. So war der Waldvogt zum Beispiel bei der Besetzung der Gerichte oder bei Strafverfolgungen an den Rat und die Zustimmung der Einungsmeister gebunden. Privilegien, außer dem Tragen einer Amtstracht aus blauem Tuch und dem Hirschfänger, waren allerdings mit dem Einungsmeisteramt nicht verbunden. Ein gewählter Bauer oder Müller, Gastwirt oder Handwerker musste also seinen Beruf vernachlässigen, um den Einungsmeisterpflichten nachkommen zu können. Darum wird verständlich, dass sich nur diejenigen für dieses Amt zur Verfügung stellten, die es sich leisten konnten, häufiger der Arbeit fernzubleiben. Dann mussten Frauen, Söhne oder Knechte einspringen, um die anfallenden Arbeiten zu erledigen. Wer darauf angewiesen war, seine Familie und sich ausschließlich durch seiner eigenen Hände Arbeit zu ernähren, wird kaum dieses Amt angestrebt haben. Einungsmeister gehörten also stets der schmalen bäuerlichen Oberschicht an. Auch eine andere Gepflogenheit erinnert an unsere Zeit: es wechselten von Jahr zu Jahr zumeist die gleichen Personen die Posten. In der Einung Birndorf zum Beispiel wurden in der ersten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts, jedes zweite Jahr der Unteralpfener Müller Josef Tröndle und in der Einung Hochsal sein Vetter, der Rotzler Gastwirt und Bauer Tröndle zu Einungsmeistern gewählt. Der Rotzler Tröndle war während seiner Amtszeiten stets auch Redmann. "

 

Schauen wir noch auf das Gericht der "Freien" in der Grafschaft Hauenstein, wie es zu Beginn des fünfzehnten Jahrhunderts bestand:
Der Freihof in Görwihl, der traditionsreiche Gasthof "zum Adler" war die Gerichtsstätte der freien Bauern.
"Hans Matter vom Howenstein fryer Hofrichter der fryen lutten uf dem Swartzwald, sasse zu gericht von emphelhens wegen des frommen vesten Heimrichs von Rumlang, waldvogtes, zuo Gerwil uf dem fryen Hof"

Vor dem Freirichter verhandelt wurden Zivilsachen wie Käufe und Verkäufe von Grundstücken, Streitigkeiten über Abgaben, Grenzen oder auch Erbschaften. Den Vorsitz hatte der von den Bauern gewählte Freirichter. Der Waldprobst trug die Rechtssachen vor aber auch der Waldvogt als Vertreter der kaiserlichen Gewalt hatte Angelegenheiten vorzubringen, über die der Richter entscheiden sollte und als Dritte die Freibauern selbst. In dieser Abfolge sprach der Richter auch seine Urteile.
Jakob Ebner (Die Geschichte der Salpeterer des 19. Jahrhunderts, Unteralpfen 1952, S. 58) berichtet auch von einem Maigeding von 1418, - es ging unter anderem darum, alle im Kirchspiel Görwihl liegenden freien Güter festzustellen und darüber eine Urkunde anzufertigen - auf dem neben dem Richter und dem Probst auch ein "Rechtsbeistand oder Advocat Heinrich Kaiser von Görwihl" anwesend war. Es war also in unserer Region bereits zu einem so frühen Zeitpunkt möglich, einen Anwalt hinzuzuziehen. Ob der Advocat eine Ausbildung oder gar ein Studium absolviert hatte, darüber schweigen die Quellen .

Wenige Jahre später waren die für die Freien auf dem Schwarzwald zuständigen Freigerichte nicht mehr vorhanden. Stattdessen gab es die Gerichte an gleichen Orten und unter ähnlichen Bedingungen tagend für alle Männer, die in den Einungen der Grafschaft lebten. Dieses Gericht ist gemeint, wenn Kaiser Friedrich III. am 23. November 1442 allen Einungsgenossen das Privileg der Freiheit von jedem fremden Gericht bestätigt. Prozesse in erster Instanz wurden vor dem Waldvogteigericht während der wöchentlichen Amtstage verhandelt. Diesem Gericht wohnten der Waldvogt, zwei Einungsmeister, der Reihe nach immer zwei andere, einer ob und der andere unter der Alb, und als Protokollführer der Bauernstatthalter bei.

Von dem Spruch dieses Gerichts konnte an das Zwölfmännergericht appelliert werden, das für gewöhnlich einmal im Jahr stattfand. Diese zwölf Richter wurden vom Waldvogt, von einem herrschaftlichen Vogt (der Herrschaften St. Blasien und Säckingen) und von einem Einungsmeister ausgewählt. Der Waldvogt und der Bauernstatthalter hatten (gleichsam in ihrer Eigenschaft als Beauftragte des Kaisers) nur das Recht, diesem Gericht beizuwohnen. An Verhandlung und Urteilsfindung waren sie nicht beteiligt.

Waren die Kläger oder Beklagten mit der Entscheidung dieses Gerichts nicht einverstanden, ging die Appellation an das einmal jährlich in Görwihl abgehaltene "16-Mannengericht". Sechzehn Männer, das waren die acht Alteinungsmeister und die acht am 23. April, dem St. Georgstag in Görwihl für die nächsten zwölf Monate gewählten neuen Einungsmeister. Sie traten nach ihrer Bestätigung und Vereidigung durch den Waldvogt bei gutem Wetter unter freiem Himmel beim Adler zusammen und verhandelten die Berufungsfälle. Da das in der Regel sehr viele waren, dauerten die Gerichtssitzungen mehrere Tage. Darum auch wurde dieses Gericht das "Görwihler Wochengericht" genannt.
Auch an diesem Gericht waren Waldvogt und Bauernstatthalter nur als Zuschauer geduldet.

Es war dieses Privileg, die von den Einungsgenossen selbst ausgeübte niedere Gerichtsbarkeit, das als ein ganz zentraler Inhalt der von alters her überlieferten Rechte und Freiheiten betrachtet werden kann. Die Anfänge einer freien Bauernschaft mit ihren Privilegien verlieren sich - bezogen auf die historischen Perioden vor der Urkunde von 1442 - im Dunkel der Geschichte. Überliefert ist lediglich, dass die Mönche von St. Blasien mit ihrer Kolonisation des hinteren Hotzenwaldes ab dem 12. Jahrhundert im Süden bei den dort ansässigen Freibauernsiedlungen an Grenzen stießen. Das heißt also, dass diese Freibauern vorher da waren. Der Status "frei" ist eng mit der Siedlungsgeschichte verbunden. Bereits das alemannische Frühkloster Säckingen, ungefähr am Anfang des siebetnten Jahrhunderts auf der Rheininsel dort begründet, wurde sowohl von den Merowingern wie später auch von den Karolingern mit reichem Besitz ausgestattet. Vom Churer Rheintal über die Landschaften am Walensee und Zürichsee bis hinauf in das Elsass leisteten die Klöster Mission- und Kolonisation. Ihrer großen Bedeutung wegen, sie dienten als "Königshöfe" (Pfalzen) und lagen an verkehrswichtige Straßen, die Italien (Rom) mit der Mitte und dem Norden des Reiches verbanden, brauchten die Köster auch Land und Leute, um ihre eigenen materiellen Bedürfnisse aber auch die der von Pfalz zu Pfalz ziehenden Könige bzw. Kaiser mit ihrem Gefolge sicher zu stellen. Waren in den leichter bebaubaren Ebenen und Tälren bereits eit Vorzeiten Menschen ansässig, so mieden sie die unwirtlichen Bergregionen mit ihren dichten Wäldern. Wenn also das Stift Säckingen seinen Verpflichtungen als Königskloster nachkommen sollte, dann musste mehr Land urbar gemacht werden. Die am Südhang des Schwarzwaldes sich zum Rhein hinunter neigenden Hochterassen boten sich an und wurden genutzt. Das Kloster warb Bauern an, die sich mal mehr mal weniger freiwillig bereitfanden, die schwierige Rodungsarbeit zu leisten. Für diese Sonderleistungen erhielten sie vom Kloster und vom König bestätigt besondere Privilegien zu denen u. a. persönliche Freiheitsrechte, Freiheit von der Unterstellung unter anderen, als vom König direkt beauftragten Gerichten oder das Recht Waffen zu tragen gehörte. Diese "Königsbauern" gelten zum Beispiel für die Gemeinden Hochsal, Nieder- und Oberwihl aber auch in Görwihl als nachgewiesen (Jehle, Fridolin und Jehle.Enderle, Adelheid: Geschichte des Stiftes Säckingen. Aarau 1993).

Zwei bis dreihundert Jahre später waren es die Herren von Tiefenstein, ein im Mittelalter mächtiges Adelsgeschlecht, die für die Urbarmachung ihrer Ländereien an den südlichen Terrassen des Waldes, soweit sie nicht in Säckinger Hand waren, sorgten und ihre Kolonisten für deren Leistungen mit besonderen Privilegien ausstatteten, zu denen die eigene und freie Gerichtsbarkeit gehörten, wie sie auch in anderen ländlichen und städtischen Siedlungen Süddeutschlands im Mittelalter üblich waren (2).

 

© Dr. Joachim Rumpf
30.06.2008

 

(1)
Es waren also die vertikale Lehensverfassung, die sich im frühen Mittealter herausgebildet hatte und die ihr ab etwa dem 11. Jahrhundert folgende horizontale Gemeindeverfassung miteinander verschränkt.

Recht gut lassen sich diese Zusammenhänge am Beispiel des säckingischen Frauenklosters illustrieren. Die vom Kloster im Mittelalter gegründete Stadt Säckingen und die Stadtgründung der Habsburger bei ihren Burgen am Rheinfall auf klostereigenem Grund und Boden, die Stadt Laufenburg,.

Innerhalb der Städte regelten alle Angelegenheiten des Alltags die gewählten Bürger in Räten, Zünften und Genossenschaften. Wie bei den Einungen des Waldes fiel die niedere Gerichtsbarkeit in die Kompetenz der Vertreter der städtischen Gemeinden. Überall dort, wo die Stadtgemeinden wirtschaftlich erstarkten, wie das in Laufenburg und Säckingen der Fall war, erwarben sie nach und nach die Rechte an den von ihnen zu leistenden Abgaben selbst. Sie kauften also ihrem Stadtherrn, dem Kloster Säckingen, gegen Einmalzahlungen deren Ansprüche ab. Der unter anderem durch barocke Prachtentfaltung ständig steigende Geldbedarf der Grundherren, zu denken ist nicht nur an die weltlichen Adelshäuser sondern auch an die Klöster, verführte auch die Stiftsdamen dazu, die jahrhunderte alten Zinsansprüche gegen eine angemessene Abstandszahlung einzutauschen. Am Ende war das Lehensverhältnis praktisch aufgelöst, die Zugehörigkeit zur Herrschaft des Klosters nur noch nominell. Was blieben waren die die Kirchenorganisation und die hohe Gerichtsbarkeit, die bis zur Auflösung der Klöster in die Zeit, als durch Napoleon neue Verhältnisse geschaffen wurden, in der Zuständigkeit kirchlicher Grundherren blieben.

(2)
Vgl. dazu auch: Kistler Martin: Die Verfassung der Grafschaft Hauenstein im Vergleich mit der Entwicklung der Verfassungen der Schweizer Urkantone und den Bestrebungen genossenschaftlicher Selbstverwaltung in Vorderösterreich. Basel 2006

Für Interessierte sei auch auf die rechtsgeschichtlichen Ausführungen im Zusammenhang mit der Darstellung des Salpetereranwalts Johann Caspar Berger verwiesen: "... das Rechtsystem in seiner Zeit"

 

 

 

Zurück zu den Inhaltsangaben

Zurück zur Einführung "Salpeterer"