Die Salpetererunruhen im Hotzenwald

 

 

Über die freiwillige und unfreiwillige Umsiedlung in die Habsburger Landschaften auf dem Balkan im 18. Jahrhundert

1
Vorbemerkung

Die Ursachen der dramatischen Ereignisse vom Oktober 1755, die die Deportation von Hauensteiner Familien begründeten, sind gründlich untersucht und dargestellt. Auf dieser Homepage ist die Arbeit von Krauss veröffentlicht. Eine neue Darstellung ist von Baumgartner erarbeitet worden. Er sieht die Deportation im Zusammenhang mit der Ansiedlungspolitik Maria Theresias als "bevölkerungspolitische Maßnahme". (Baumgartner Stefan, 1977, S.91). Es sind im 18. Jahrhundert tatsächlich zwei Wanderungsbewegungen Richtung Osten zu registrieren: Eine - von ihrem Umfang her - eher kleinere; das waren Verbannte bzw. zwangsumgesiedelte Familien aus den vorderösterreichischen Landen, von denen hier am Beispiel der Salpeterer berichtet wird. Und das waren die angeworbenen Familien, die aus den damals übervölkerten und verarmten Dörfern dazu verführt wurden, in den von Habsburg-Österreich den Türken abgenommenen Ländereien auf dem Balkan, eine neue Existenz aufzubauen. Etwa nach der Devise "schlimmer kann es auch nicht werden" haben sich aus den gleichen Ländern Vorderösterreichs, zu denken ist besonders an den Breisgau und die angrenzenden Regionen bis ins Schwäbische hinein, viele Familien auf den Weg gemacht und sind in eine ungewisse Zukunft gezogen.
Über beide Gruppierungen wird hier kurz berichtet.


2.
Die betroffenen Salpetererfamilien und ein Blick auf ihr Schicksal

In der Nacht vom 9. zum 10. Oktober 1755 wurden 27 Salpeterer und in den Tagen darauf deren Frauen und Kinder aus ihren Häusern geholt und unter militärischer Bedeckung nach Waldshut ins Gefängnis gebracht. Nach Einzelnen von ihnen, die zu flüchten versuchten, musste regelrecht gejagt werden. Die Namen der zu deportierenden Salpeterer, die als besonders gefährlich galten, sind überliefert:

Johannes Marder von Eschbach (der Preuß), Georg Ebner von Birndorf; Nikolaus Gottstein aus der Rütte, Adam Jehle von Dogern, Jakob Fridolin Albiez von Buch, Martin Bär von Hierholz, Johann Strittmatter von Görwihl, Konrad Gamp von Dogern, Johann und Josef Gäng von Hogschür, Jakob Albiez von Etzwihl, Fridolin Eckert aus der Rütte, Sebastian Werni von Kiesenbach, Martin Berger, Johann Ebi und Konrad Ebner von Unteralpfen, Fridolin Eckert von Buch, Gregor Kummer von Buch, Jakob Huber und Jakob Zimmermann von Görwihl, Johann Georg Gerspach von Oberwihl, Johann Baptist Kaiser von Katzenmoos, Josef Leber von der Glashütte, Martin Arzner von Engelschwand, Johann Meier von Niederalpfen, der Bruder des Tochtermännle."

Diese Reihenfolge findet sich in den Urkunden. Jakob Ebner vermutet in seinem Buch (1984, S. 128), dass sie der Rangfolge der Rolle entspricht, die die Salpeterer bei den Unruhen nach der Einschätzung der Kommission gespielt haben.
Außerdem wurden neun junge Burschen aus anderen Familien verhaftet und zwangsrekrutiert. Zu diesen gehörten die Söhne jener Salpetererführer, die bereits verbannt oder verstorben waren.

In Waldshut wurde den Salpeterern am 10. Oktober das Urteil der Zwangsdeportation nach Ungarn verlesen. Die Frauen und Kinder hätten so laut geschrieen, dass man es in der ganzen Stadt hörte. Ohne Verzug wurden Sie und ihre Angehörigen in Ketten gelegt und eine Woche später unter militärischer Begleitung in Marsch gesetzt. 36 Soldaten eines Tiroler Regiments und zwei Offiziere waren für den Transport abkommandiert worden. Der Weg führte sie, wie damals üblich, über die Straßen bis an die Donau (bei Günzburg) und von dort mit Schiffen hinab in die neue Heimat. 112 Personen waren von der Zwangsumsiedlung betroffen. 105 von ihnen kamen in Temesvar in Ungarn an. Einige von diesen aber lebten nicht mehr lange. Sie gingen an den hohen Anforderungen, die mit der Urbarmachung der sumpfigen Niederungen verbunden waren, zugrunde. Andere wiederum setzten sich durch und begannen, in der Fremde Wurzeln zu schlagen. Die Landschaft war zwar eine ganz andere, die Verbannten aber waren in Habsburg-Österreich geblieben. Das in Wien ansässige Habsburger Herrscherhaus war im Besitz der ungarischen Königskrone und zugleich deutscher Kaiser. Und noch ein Umstand erleichterte den Hauensteinern mehr und mehr das Leben fern von der Heimat. Immer mehr Familien aus den vorderösterreichischen Gauen suchten in Ungarn Möglichkeiten, um zu überleben. Der Strom der Umsiedler Richtung Osten schwoll mehr und mehr an, weil es dort Land zu günstigen Bedingungen gab. Vgl. hierzu auch im Internet die Seite: www.genalogy.net/privat/flacker/hotzen.htm

Die Verbindungen zur alten Heimat rissen zunächst ab. Erst einhundert Jahre später (1855) wurden die Alemannen in Ungarn wieder entdeckt, als ein Basler, der bei einem ungarischen Grafen beschäftigt war, in dem Dorf Saderlach die Bauern alemannisch sprechen hörte. Seither blieb der Kontakt erhalten. Als 1991 sogar Saderlacher nach Görwihl kamen, da wurde jedermann offenbar, dass zwischen den freiwillig und unfreiwillig Ausgereisten aus dem achtzehnten und neunzehnten Jahrhundert und unseren Hauensteiner Bäuerinnen und Bauern ein enger Zusammenhang gesehen werden muss. Professor Emil Maenner aus Weinheim berichtet 1937 darüber in seinem Saderlach-Buch "Chemmet ine!" und druckt einen Brief eines Saderlacher Bürgers ab, den dieser ca. 1893 geschrieben hatte. Darin heißt es:
"Bi uns chemmet vo dene Name, wo mer im Salpetererbüchli g'funde hen, noch vor: Neff, Gantner, Binkert, Eckert, Strittmatter, Eisele und Märklin ..."

Bei dem "Salpetererbüchli" handelt es sich vermutlich um die 1892 in Waldshut erschienene Schrift von Franz August Stocker. Die Familien unserer Salpeterer, die zu den ersten deutschen Siedlern im Banat gehörten, starben also nicht aus; ihre Urenkel leben noch. Jakob Ebner hat über das Schicksal der Verbannten im zweiten Teil seiner "Geschichte der Salpeterer des 18. Jahrhunderts" berichtet. Und in der Gegenwart werden die zerrissenen Fäden von engagierten Banater Schwaben wieder geknüpft, wie deren Jahrestreffen 2003 bewies, das in Herrischried stattfand und ganz im Zeichen des Schicksals der verbannten Salpeterer stand.

Dass nur ein Teil der Verbannten überlebte mag nicht zuletzt damit begründet sein, dass die Salpetererfamilien unter besonders diskriminierenden Bedingungen zwangsweise angesiedelt wurden. Durften sich andere Siedlungswillige aus dem Schwarzwald ihren zukünftigen Heimatort selbst auswählen, nicht wenige gingen nach Saderlach, wo bereits eine alemannische Gemeinde bestand, wurde den verbannten Salpetererfamilien dies verwehrt. Ich zitiere der Schrift von Emil Maenner:


"Die alten Verschwörer… sind daher auf ‚Ansiedlungs-Oerther' zu verteilen… und dies soll so durchgeführt werden, dass sie nicht in einem Ort aufgenommen werden und wohnen, sondern ‚ihr Unterkommen in verschiedenen Districten, wenigstens in verschiedenen Ortschaften' haben sollen. … (Sie wurde)n unter scharfer militärischer Begleitung auf ‚Laiterwägen' bis Günzburg und von dort aus zu Schiff über Linz, Nussdorf bei Wien und Ofen zur Mündung der Theiß in die Donau befördert" (S. 25/26).

In Neu-Bessenowa fand Maenner einige Einträge im Pfarrbuch, nach denen der Tod von Deportierten schon bald nachweisbar war. Und wenn man sich vergegenwärtigt, unter welchen harten Bedingungen alle Umsiedler in den Sümpfen des Banats oder an Theiß und Donau Land urbar machten, "furchtbar wütet der Tod in ihren Reihen" (Maenner, S. 22), dann darf es nicht überraschen, dass die Verbannung als besonders hart erlebt worden war.

Als im vergangenen Jahr von den Historikern aus dem "Haus der Heimat" die Ausstellung "Vom deutschen Südwesten in das Banat und nach Siebenbürgen" organisierten haben sie zugleich mit dem reichlich mit Bildern und Dokumenten ausgestattetem Begleitbuch zur Ausstellung Ereignisse und Lebensschicksale ans Licht geholt, die bis heute noch kaum erforscht waren
(Vom deutschen Südwesten in das Banat und nach Siebenbürgen. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung des Hauses der Heimat des Landes Baden-Württemberg. Hrsg: Annemarie Röder, Stuttgart 2002).
Unter der Leitung von Frau Dr. Annemarie Röder erarbeitete eine Gruppe kompetenter Historiker für das "Haus der Heimat Baden- Württemberg" in Stuttgart diese wertvolle in zwei Sprachen verfasste Dokumentation. In ihr finden wir den Aufsatz von Herrn Dr. Karl-Peter Krauss, dem Leiter des Hauses der Heimat, über den ältesten Sohn des Salpeterer-Hans und seiner Frau Maria Enderlin.

Jakob Fridolin Albiez wurde am 27. Juli 1695 geboren und starb im Januar 1768 in Etzwihl. Jakob Albietz, über den im Zusammenhang mit den Salpetererunruhen immer wieder die Rede ist, gehörte, wie wir der oben stehenden Liste entnehmen können, zu den von Haus und Heimat verbannten Salpeterern. Dennoch gelang es ihm, wieder in die Heimat zurück zu kehren. Nachdem in der Verbannung seine Frau und sein Sohn gestorben waren, kehrte er 1760 mit falschen Papieren nach Etzwihl zurück. Er wurde verhaftet, eingesperrt und nach anderthalb Jahren auf das Urteil der vorderösterreichischen Regierung in Freiburg hin, erneut des Landes verwiesen. Wie es Jakob dennoch gelang, seinen Lebensabend im Heimatdorf zu beschließen, ist nicht bekannt. Vielleicht wurde der alte, verarmte und zweifellos inzwischen recht ungefährliche Mann begnadigt. Er starb am 9. Januar 1768 in Etzwihl in seinem dreiundsiebzigsten Lebensjahr.

Karl-Peter Krauss beschreibt unter Verwendung der vorhandenen Urkunden und anderer Dokumente sehr anschaulich am Beispiel des Jakob Albiez das Schicksal der Verbannten, das nicht selten in Krankheit und Verarmung mündete.
Wie aber lassen sich die unterschiedlichen Haltungen jener, die aus unserer Landschaft unfreiwillig und jenen erklären, die "mit aller Macht danach strebte(n), auszuwandern" (S. 204). Und er findet eine überraschend überzeugende Begründung am Beispiel von Siedlern aus Unteralpfen: Die 1737 aus Ober- und Unteralpfen freiwillig ausgewanderten Familien gehörten zur landarmen dörflichen Unterschicht und durften sich von der Auswanderung eine Verbesserung ihrer materiellen und sozialen Situation versprechen. Die vier aus Oberalpfen verbannten Salpetererfamilien hingegen gehörten der dörflichen Mittel- und Oberschicht an und hatten keinerlei Veranlassung, ihre Situation aufzugeben und Hab und Gut im Stich zu lassen. Gewiss wurden sie für die Verluste entschädigt und erhielten, dem verlorenen Vermögen entsprechend im Banat eine anteilige Aufbauhilfe, wie es Paul Eisenbeis (2005) in einem kleinen Aufsatz nachwies

Die tatsächlichen Verluste aber, sowohl an Landbesitz, Haus und Hof und den sozialen Beziehungen konnten nicht ausgeglichen werden. Und das Beispiel von Jakob Albiez, der ebenfalls zu den vermögenden Bauern gehörte, zeigt, dass die Deportierten Salpeterer nicht zu jenen gehörten, die in der Fremde (wieder) zu Wohlstand kamen.

Interessant wäre es zu erfahren, was aus dem zwangsenteigneten Besitz der Salpetererfamilien wurde, wer ihn und zu welchen Bedingungen erwarb. Entschädigt wurden sie ja von den vorderösterreichischen Behörden. Und die haben die Bauernwirtschaften wahrscheinlich nicht selbst behalten beziehungsweise den Dorfgemeinschaften von Oberalpfen oder Buch geschenkt.


Martin Kerek aus March bei Freiburg sandte am 10. November 2006 den folgenden Vermerk:

"ich beschäftige mich mit der Donauschwäbischen Geschichte.
Es ist zwar richtig, es wurden "Rädelsführer" in das Banat verbannt, aber es wurden auch andere wohlhabende Bauern wahllos ausgesucht und ebenfalls verbannt.
Quelle: Donauschwäbische Geschichte von Oskar Feldtänzer. ISBN 3-926276-69X
Hier steht auf Seite 258 folgendes:

" Am besten sind wir über die Deportierung informiert, die der Revolte von 1755 folgte... Als Strafmaßnahme griff man willkürlich 27 Hausväter heraus, verhaftete auch deren Frauen, Söhne und Töchter...und schickte 112 Personen nach Temeswar..."
Feldtänzer beschreibt, wie sich die Verbannten im Banat zur Wehr setzten indem Sie den Gehorsam verweigerten, wie viele starben und wie der Wille der Überlebenden gebrochen wurde."

 

 

 

karte

 


Die nebenstehende Karte zeigt die Provinzen auf dem Balkan, die noch 1812 zur österreichisch-ungarischen Monarchie gehörten

 


3. Nicht allein Salpeterer wanderten aus…

Am Beispiel einer anderen schäbisch-alemannischen Familie, deren Schicksal einer ihrer Nachfahren, Herr Emil Zachmann aus Gladbeck erforschte, wird anschaulich, wie schwer es selbst diejenigen hatten, die Maria Theresias Ruf nach freiwilliger Auswanderung folgten:
"…Johann Friedrich Zachmann aus Kieselbronn nahm das Angebot an und machte sich mit seiner Frau Julianna Pressen und zwei Kindern auf in die neue Heimat in die Bukowina. Einzelheiten über die ca. 1500 km lange Reise sind uns heute nicht mehr bekannt. Mit den beiden Kindern (4 und 7 Jahre alt) war es sicherlich ein sehr beschwerlicher Fußmarsch, denn Fahrgelegenheiten standen vermutlich nur selten zur Verfügung.

Am 25.11.1784 erreichte die Familie Lemberg. Es wurden dort registriert und einquartiert:
Johann Friedrich Zachmann * 06.06.1746 in Kieselbronn
mit seiner Frau Julianna Pressen * 21.09.1748 in Dürrn
und den beiden Söhnen:
Johann Friedrich * 04.11.1775 in Kieselbronn
Johann Georg * 22.05.1778 in Kieselbronn
Die Ansiedlung der Familie in Illischestie verzögerte sich bis Ende 1787. Die damaligen österreichischen Amtsstellen arbeiteten sehr schleppend.
In Lemberg wurden noch zwei weitere Kinder geboren:
Jakob * 1784 in Lemberg, + 11.03.1785 in Lemberg
Luisa Katharina * 1787 in Lemberg

Schließlich mussten Ende 1787 noch einmal die Habseligkeiten gepackt werden und die nun fünfköpfige Familie machte sich mit weiteren deutschen Kolonistenfamilien auf den Weg. Die Vorbereitungen für die Ansiedlung der Familien in ihrer neuen Heimat Illischestie gingen nur sehr langsam voran. Erneut wurden unsere "Zachmänner" vertröstet und ca. 23 km vor ihrem Ziel vorübergehend in Dragomiere untergebracht. Am 10.12.1787 ließen sie dort ihr jüngstes Kind Luisa Katharina Zachmann taufen. Im Kirchenbuch von Suczawa heisst es u. a. "die Tochter eines Teutschen ansiedlers". Im Juli 1788 war es dann endlich so weit. 3 1/2 Jahre nach ihrer Abreise aus Kieselbronn erreichte die Familie Zachmann ihre neue Heimat Illischestie. Ein Ort in der Südbukowina in Rumänien ca 18 km südwestlich von Suczava. Die Häuser der ersten zwölf deutschen Familien standen an der Zwölfergasse. Die Familien waren Erbzinsler, d.h. sie zahlten nur Erbgrund- und Hauszins und waren von Frondiensten freigestellt. Der Familie Zachmann wurden laut Übertragungsliste u. a. zur Verfügung gestellt:

- eine leerstehende rumänische Wohnung, Nr. 16 (später Nr. 128)
- 13,856 ha Acker- und Wiesengründe, nur zum Teil am Anfang ertrags- und bewirtschaftungsfähig
- 2 Ochsen und 2 Kühe
- Acker- und Hausgeräte wurden nur soweit sie dort vorhanden waren zur Verfügung gestellt
- ein Brunnen sowie weitere Gebäude mussten auf eigene Kosten erstellt werden

Nun begann eine harte Zeit für die Kolonistenfamilien. Geräte und Werkzeuge fehlten, Krankheiten, Viehseuchen und Missernten kamen und gingen. Es dauerte Jahre und Jahrzehnte bis die zugewiesenen Schollen kultiviert waren und fruchttragend wurden…" (Aus: Zachmann, Emil: "Ein weiter Weg in die Bukowina…" unveröfftl. Manuskript. Gladbeck 2009).

Herr Wilfried Müller sandte mir zu dieser Textpassage folgende Mailbotschaft, die ich hier seiner Bitte entsprechend, gern einfüge:

"...Werfen Sie doch bitte mal einen Blick  auf unsere Homepage  www.spuren.homepage.t-online.de
dann den Link "Anno Tobak" - dann "Ein weiter Weg in die Bukowina... (Auswanderung der Familie Zachmann)". Vergleichen Sie bitte den Text. Hier finden Sie seit 2007 den Ursprung dieser Textpassage! Es wäre sehr schön, wenn Sie den eigentlichen Urheber dieser Passage auf Ihrer Homepage> erwähnen würden.  Seit 2003 suche ich nach den Vorfahren meiner Frau, eine geborene Zachmann. Den ersten Taufeintrag eines Kindes der Familie Zachmann in der Bukowina> habe ich 2007 in den Kirchenbüchern von Suczawa gefunden. Weitere Auszüge aus Quellen liegen mir ebenfalls vor.
 Mit freundlichen Grüßen

 Wilfried Müller
 46562 Voerde"



Die Leidensgeschichte der mehr oder weniger freiwilligen deutschen Umsiedler die Balkanlandschaften war aber noch nicht zu Ende. Nach dem Zweiten Weltkrieg waren es die Rumänen, die ihrerseits die deutschstämmigen Landsleute bedrängten. Die Saderlacher zum Beispiel litten zunehmend unter Repressalien und Zwangsenteignungen. Die Mütter und Väter, die den Krieg überlebt hatten, befanden sich zunächst in Gefangenschaft oder russischen Deportationslagern. Zu Gunsten rumänischer "Neusiedler" mussten Haus und Hof samt dem Hausrat und anderem Besitz aufgegeben werden. Nach einer Leidenszeit vor Ort, die die Betroffenen als "Inneres Exil" bezeichneten, entschlossen sich viele, erneut auszuwandern. Diesmal ging es, wenn auch unter enormen Schwierigkeiten, die die rumänischen Behörden auftürmten, Richtung Westen. "Die Rückwanderung, unterstützt durch zunehmende Freikaufaktionen, auch der Bundesrepublik Deutschland, war der letzte Leidensweg, den wir gegangen sind. Heute ist Saderlach eine rumänische Gemeinde; das einstige Allemannendorf Saderlach ist nur noch Geschichte" (Aus: Burger, Johann, o. J., S. 18).



 

pernes

Diese beiden Aufnahmen wurden von mir im Mai 2008 in der Provence gemacht und zeigen uns einen Blick auf und in das Dorf
La Roque sur Pernes.

Mehrere weitere Bilder befinden sich auf den unten angegebenen Hompepages dieser Gemeinde, die heute, wie die anderen Dörfer im Vaucluse, gern von Urlaubern besucht werden.

pernes

 


Was ist es, was ein malerisch gelegenes provencalisches Bergdorf mit der Geschichte der deportierten Salpeterer aus der Grafschaft Hauenstein verbindet?

 

 

Als die Habsburger 1718 die Türken aus Ungarn vertrieben hatten, mussten die über weite Strecken unbewohnten und unbewohnbaren Gebiete, wie sie die oben abgebildete Karte zeigt, besiedelt und urbar gemacht werden. Hierfür warben die Habsburger aus ihrem ganzen Reich landlose und umsiedlungswillige Bauern an. Nicht immer gingen die Untertanen der Habsburger Kaiser freiwillig, wie wir von den Salpeterern wissen.

Unter den adligen Beamten des Kaiserreichs waren auch Franzosen, wie der Graf von Mercy aus Lothringen, der mehrere hundert Siedlungswillige aus Elsass-Lothringen anwarb. Aber auch aus dem Bergdorf La Roque sur Pernes wurden über einen provencalischen Adligen Menschen angeworben und im Banat angesiedelt..

Die Geschichte der "Ungarn-deutschen" und "Ungarn-Franzosen" ist sehh wechselhaft gewesen und mündete schließlich in die dramatischen Folgen des Zweiten Weltkrieges, als das kommunistische Ungarn begann, die nicht-ungarnstämmigen Bevölkerungsteile zu unterdrücken und dzu diskriminieren. Es setzten Flüchtlingsströme von Ost nach West ein und auch Frankreich erklärte sich bereit, Nachkommen aus ihrem Land wieder aufzunehmen.

Diese Situation erwies sich für das, inzwischen bis auf ganz wenige Familien geschrumpfte verarmte Bergdorf La Roque sur Pernes.als günstig. Fanden doch achtzehn Familien zwischen 1950 und 1960, deren Vorfahren einst von dort ins Banat ausgewandert waren, in ihrer angestammten Heimat ein neues zu Hause und wirkten seither kraftvoll daran mit, das reizvoll gelegene Dorf wieder zum Leben zu erwecken. Über die Gegenwart geben die unten angegebenen Internet-Informationen Auskunft.

In der Gemeinde wird das Andenken an die Verbindungen zum Banat gepflegt. So erinnert zum Beispiel eine der wenigen Straßen in ihrem Namen an das Banat. Es hat auch Bruno Oberländer 1952 in Salzburg bereits eine Broschüre verfasst "Banater siedeln in Südfrankreich" in der er die Verbindung beider Landschaften durch diese "Ungarn-Franzosen" schildert.

 

 

 

http://www.provenceweb.fr/e/vaucluse/roquepernes/roquepernes.htm

http://www.vaucluse-visites-virtuelles.com/glvirtualbluepopouts/roque-pernes.html

http://gites.provence.free.fr/roque.htm

Literatur:

In dem u. bei Karl-Peter Krauss genannten Sammelwerk, das Annemarie Roeder 2002 herausgegeben hat, befindet sich eine umfangreiche Auswahlbiographie von Schriften zur Auswandererthematik (S.255 - 262).

Ergänzungen:

Baumgartner, Stefan: Zwischen Tradition und Revolution…". Unveröffentl. Examensarbeit, Universität Freiburg i. Br. 2007,

Burger, Johann: Eine Erinnerung an die Hotzenwälder Auswanderer und ihr Schicksal. HOG Saderlach. München o. J. / saderlach@maxis-dsl.de

Eberl, Immo: "Der erste hat den Tod, der zweite die Not, der dritte das Brot". Zur wirtschaftlichen Situation und Bedeutung der Donauschwaben. In: Beiträge zur Landeskunde. Regelmäßige Beilage zum Staatsanzeiger für Baden-Württember. Nr. 2 April 1990, S. 1-8

Ebner, Jakob: Geschichte der Salpeterer des 18. Jahrhunderts. (Selbstverlag Unteralpfen 1954 II. Tei

Eisenbeis, Paul: Die Deportation der aufständischen Salpeterer ins Banat 1755. In: Land zwischen Hochrhein und Schwarzwald. Beiträge zur Geschichte des Landkreises Waldshut. Hrsg.: Geschichtsverein Hochrhein e.V. Waldshut. Jahrgang 2005, S. 37 - 40

Feldtänzer, Oskar: Donauschwäbische Geschichte. Das Jahrhundert der Ansiedlung 1689 - 1787. Tübingen 2005

Krauss, Karl-Peter: Deportation und Rückkehr des Hauensteiner Aufständischen Jakob Fridolin Albietz. In: Roeder, Annemarie (Hrsg.): Vom deutschen Südwesten in das Banat und nach Siebenbürgen. Haus der Heimat Baden-Württemberg.
Stuttgart 2003, Seite 195 - 216

Kuhn, Walter: Das habsburgische Siedlungswerk in Ungarn. In: Deutsche Ostkunde. Vierteljahresschrift für Erziehung und Unterricht. Hrsg.: Bundesarbeitsgemeinschaft für Deutsche Ostkunde im Unterricht. Heft 3, Jg. 23/1977, S. 89 - 97


© Dr. Joachim Rumpf
79733 Görwihl
07.09.09

 

 

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