logo
Schriften über die Salpeterer im Hotzenwald


Informationen über das Buch von Jakob Böser:
„Das Hauensteinerland und die Salpeterer"

und über Jakob Böser

 

Es war nicht leicht, diese Schrift einzuordnen. Wenn sich jemand meldet und meint, Bösers Buch gehöre in die Reihe der Forschungsarbeiten, kann ich das zwar verstehen, dennoch muss festgehalten werden, dass Böser sich selbst nur dann auf Ergebnisse eigener Forschungen beruft, wenn es um die "religiösen" Salpeterer geht, also um die aus dem neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert. Böser war selbst vor Ort, als er, Lehrer in Birndorf, in seinem Schulsprengel am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts dort noch Angehörige der Religionsgemeinschaft der Salpeterer antraf. Blicken wir aber auf sein Lebenswerk, dann hat er recht gründlich historische Forschung betrieben.

In den Kapiteln über die Salpetererunruhen im achtzehnten Jahrhundert und die Kriege, die ihnen in unserer Heimat voraus gingen, greift Böser, dessen Büchlein leicht lesbar und flüssig geschrieben ist, auf Darstellungen anderer Autoren zurück. Daher ließ sich die ungefähre Erscheinungszeit auch einordnen. Da Böser sich auf Jakob Ebners "Eine Müllerdynastie im Schwarzwald" beruft, die 1908 im Selbstverlag Ebners erschienen ist und jeder Hinweis auf das Hauptereignis jener Jahre, den Beginn des ersten Weltkrieges fehlt, ist das Buch irgendwann in diesen sechs Jahren gedruckt worden. Im Verlag Spachholz und Ehrath in Bonndorf, der ja heute noch besteht, konnte mir auf Anfrage niemand Auskunft geben. Böser selbst gibt in seiner Autobiographie (die ich erst in diesen Tagen fand) an, dass das Büchlein 1913 erschienen sei. Und er musste es ja wissen.

Die von Böser genannten und im Anhang zum Teil abgedruckten Quellen aus dem Pfarrarchiv Birndorf erlauben den Schluss, dass sich die "Ägidler", also die Salpeterer des neunzehnten Jahrhunderts, recht bewusst und von Anfang an in der Tradition ihrer Salpeterer-Vorfahren sahen. Immer wieder betonen sie selbst diesen Zusammenhang. In einem Protoll, das der Pfarrer von Birndorf am 24. Februar 1815 über ein Gespräch über die Verweigerung von Abgaben mit einem namentlich nicht genannten Salpeterer anfertigte, sind in Bösers Buch folgende Aussagen festgehalten:

Salpeterer: "Ich halte mich an den Kaiser von Österreich und huldige und unterschreibe nicht"

Pfarrer: "Wir sind jetzt badisch, ungefähr seit dem Frieden von Preßburg...Die Unterthanen müssen sich darein fügen."

Salpeterer: "Wir geben, was man uns verlangt. So lasse man uns denn in Ruhe".

Pfarrer: "Ihr mögt die geforderten Steuern bezahlt haben; aber auch die aufrührerischen Zusammenkünfte und Reden sollt ihr unterlassen".

Salpeterer: "Ich gehe zu wem ich will. Wenn die Obrigkeit Recht hätte, so hätte sie schon lange wieder Hinrichtungen vorgenommen. Allein die Obrigkeit darf es nicht mehr thun, weil sie das unschuldige Blut der Salpeterer vergoss."

Bei Böser, S. 96

Diese und andere Quellen und Augenzeugenberichte, auf die sich Böser beruft und sie zum Teil wiedergibt, machen den Wert des illustrierten Buches aus. Ob und in welchem Umfang die Schrift bei seinen Zeitgenossen Widerhall fand, konnte ich bisher nicht ermitteln. Eine Neuauflage hat es nicht gegeben, obwohl Jakob Böser erst vierzig Jahre nachdem er diese Schrift erarbeitet hatte, verstarb.

 

 

Jakob Böser war 1875 in Heidelberg geboren und dort aufgewachsen. Als Lehrer erhielt er später unter anderem eine Stelle in Schluchsee zugewisen und kam später nach Birndorf. Seine Neigung zu eigener historischer Forschung, die er bekanntlich mit vielen seiner Berufsgenossen teilt, führte ihn in die Archive der Kirchengemeinden in Waldshut und Birndorf. Die Gespräche mit den in Birndorf noch lebenden Salpeterern machten ihn neugierig und regten ihn dazu an, deren Geschichte zu erfragen, zu erforschen und aufzuschreiben.
Den tieferen Beweggrund für seine historischen Interessen beschreibt er in einem biographischen Rückblick, der unter der Überschrift "Ein Lehrerleben und Lehrerstreben" 1963 erschien. Er führt aus, dass er am 1907, in seiner Zeit als Lehrer in Birndorf, zu der Überzeugung kam, dass er seine "ganze Schularbeit auf heimatlicher Grundlage aufbauen und in allen Fächern von der Heimat der Schüler ausgehen müsse". Um diesen an heimatkundlichen Gegebenheiten und Begebenheiten orientierten Unterricht erteilen zu können, musste er sich selbst gründlich kundig machen. So kam er unter anderem auch dazu, die Geschichte der Hotzenwald-Heimat (seiner) Schüler eingehender, als das bisher geschehen war, zu erforschen". Gemeinsam mit seinem Kollegen Halder in Immeneich begann er autodidaktisch die "mühsame und zeitraubende" Arbeit. Über die Salpeterer teilte ermit:

"Die Geschichte des Hauensteiner Landes lernte ich in doppeleter Hinsicht als hochinteressant kennen und zwar einmal im Hinblick auf dessen alte Einungsverfassung, die nur mit der Geschichte der Dithmarschen allenfalls verglichen werden konnte, und dann im Hinblick auf die politische Sekte der Salpeterer, die im 19. Jahrhundert zur politisch-religiösen Sekte der Ägidler wurden..."

Bereits zu Beginn des ersten Weltkrieges wurde er ins Markgräfler Land versetzt und setzte dort seine historischen Forschungen fort. Mehr noch: er wurde gleichsam zu einer Art Exponent seiner speziellen, an der Heimatkunde orientierten Didaktik, die er "Heimatschule" nannte. Von 1924 bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand 1941 war er - auch in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Badischen Lehrervereins Lörrach - in der Lehrerfort- und Weiterbildung gefragt.
Seit 1921 war er nebenher auch zum Betreuer der Gemeindearchive des Bezirks Lörrach berufen worden. Dort entstanden, er wohnte inzwischen in Höllstein, mehrere historische Arbeiten. Über Bamlach erarbeitete er zum Beispiel ein Quellenbuch über das "Heimatschrifttum des Markräfler Landes und angrenzender Gebiete", das 1921 erschien. Diese Bibliographie hat er auch in späteren Jahren ergänzt und bis in das Jahr 1940 weitergeführt. Jakob Böser gehörte zu den Mitbegründern der seit 1938 erscheinenden Zeitschrift "Das Markgräflerland. Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur".

Zu diesem Zeitpunkt war er bereits erkrankt und aus dem aktiven Schuldienst ausgeschieden. Er lebte auch nicht mehr in Höllstein sondern hatte in Wiesloch die Leitung einer Schule erhalten. Diese Schule hatte er gemeinsam mit seinen Lehrerkollegen, nach seinen eigenen Darstellung, zu einer Musterschule des Konzepts "Heimat- und Arbeitsschule" gestalten können. 1933 kam zwar nicht gleich das Aus für dieses reformpädagogische Konzept, wohl aber nahmen die Verunglimpfungen und Denunziationen aus dem Kollegium selbst zu. Es war wohl seiner Kriegsteilnahme v0n 1914-1918 und einer Verwundung zu verdanken, dass Jakob Böser, der vor 1933 der demokratischen Partei angehörte und kein NSDAP-Mitläufer wurde, dass ihm persönlich kein Leid geschah und er sogar im Amt bleiben konnte.

Hierzu eine Anmerkung von mir: Unter dem Nazibildungsminister Rust und nach der "Gleichschaltung" der Länder (also der Zentralisierung) wurden auch Pädagogik und Unterricht, wie in totalitären Staaten üblich, normiert. Die eher in demokratischer Tradition stehenden Bemühungen der Reformpädagogen oder gar der nichtkonfessionellen Lehrerverbände wie dem BLLV (Badischer Lehrer- und Lehrerinnenverein; der Vorgänger der heutigen GEW) wurden diskriminiert, verboten oder aufgelöst.

Jakob Böser berichtet über diese Zeit des "Kampfes um Schul- und Jugendführung", dass er am Ende gesundheitlich so angeschlagen war, dass er in seinem 66. Lebensjahr um seine Zurruhesetzung ersuchte.
Der Schluss seines Rückblicks zeigt seine Resignation.

"Dieser Schlag (die Niederlage 1945 J. R.), der auch meine Hoffnung für Deutschlands Jugend furchtbar getroffen hat, hat unsere zielbewusste Schul- und Erziehungsrbeit auf Jahrzehnte hinaus zurückgeworfen und vieles unwiederbringlich vernichtet".

Nach seinem Eintritt in den Ruhestand nahm er seinen Wohnsitz in Steinen im Wiesental, wo er am 21. August 1951 nach langer schwerer Krankheit verstarb.

Der Autobiographie hat er ein Verzeichnis der 52 von ihm verfassten Schriften angefügt. Über das Hauensteiner Land und die Salpeterer sind neben dem Salpetererbuch sieben Aufsätze verzeichnet, die im "Albboten" zwischen 1911 und 1917 abgedruckt worden waren.

 

 

Ein Inhaltsverzeichnis hat Jakob Böser nicht angefertigt. Auch eine Zusammenfassung der verwendeten Literatur fehlt. Es sind aber auf den jeweiligen Seiten Literatur- oder Quellenverweise vorhanden.

Die nachfolgende Inhaltsübersicht folgt seinen Kapitelüberschriften.

 

Einleitung

Die Bewohner des Hauensteiner Landes


Bauernkrieg, Rappenkrieg und andere Unruhen v. d. J. 1700

Die Entstehung der Salpetererbewegung und Huldigungsvereigereung

              Erster Salpetererkrieg 1728 bis 1730

Zweiter Salpetererkrieg 1738 bis 1739

Dritter Salpetererkrieg 1744 bis 1746

 Abermalige Erhebung der Salpeterer 1754 bis 1755

  Die Salpeterer im 19. und 20. Jahrhundert

   Hauensteiner in der Fremde

  Schluss

 


Literatur::

Böser, Jakob: "Ein Lehrerleben und Lehrerstreben" In "Das Markgräflerland. Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur" Schopfheim, 25. Jahrgang, Heft 2 / 1963, S. 14 - 24

Seith, Karl: Nachruf für Jakob Böser. In: "Das Markgräflerland. Beiträge zu seiner Geschichte und Kultur" Schopfheim,
13. Jahrgang, Heft 2 / 1951, S. 100 (vgl. die unten eingefügte Kopie)

 

Zeitungstext

 

 

 

 

 

 

Zurück zu den Inhaltsangaben

Zurück zur Einführung "Schriften"