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Über die Salpeterer im Hotzenwald
Historiker und Heimatforscher

 

Günther Haselier

 

Prof. Dr. phil. Günther Haselier aus Breisach
Präsident der Landesarchivdirektion Stuttgart

geb. am 19. April 1914 in Freiburg
gest. am 9. Oktober 1991 in Karlsruhe

 

Von den Forschungsarbeiten über die Salpetererunruhen im Hotzenwald steht die Dissertation von Günther Haselier aus dem Jahre 1940 auf einer herausragenden Position. In Bezug auf Forschungsdesign, Verständlichkeit und einer angemessenen Distanz zu seinem Forschungsgegenstand, hat Haselier zweifellos für folgende Historikergenerationen Maßstäbe gesetzt. Es war den Zeitumständen geschuldet, dass seine Arbeit in der Öffentlichkeit seiner Wissenschaftsdisziplin nicht die Aufmerksamkeit erhielt, die sie verdient. Wir können das heute nachholen und tun das auch, wenn wir zum Beispiel an die Arbeiten von David Luebke und Tobias Kies denken. Gemeinsam haben diese drei Historiker, die an so verschiedenen Hochschulen arbeiten und, bezogen auf Haselier, auch zu anderer Zeit ihre Wirkung entfalteten, dass sie mit den Salpeterern nicht verbunden blieben. Luebke und Kies lehren und forschen über andere Themen und Phänomene. Auch Haselier, der zwar noch ein Büchlein über die Salpeterer schrieb und insofern Ergebnisse seiner Forschungsarbeit noch veröffentlichte, setzte ganz andere berufliche Akzente. Nicht seiner historischen Forschungen über die Salpeterer wegen blieb er im Gedächtnis aller Historiker und Heimatforscher in Baden-Württemberg, sondern als Archivar. In einem Nachruf heißt es:, dass sein "Wirken in der Landesarchivverwaltung von Baden-Württember gsehr bedeutend gewesen ist und bleibende Spuren hinterlassen hat."

(Aus dem Nachruf von Gregor Richter in der Zeitschrift "Der Archivar", Heft 3 1992, S. 492 )

 

 

Als Haseliers Dissertation in dem von Friedrich Metz und anderen herausgegebenen ersten Band der "Quellen und Forschungen zur Siedlungs- und Volkstumsgeschichte der Oberrheinlande" gedruckt wurde, hatte Deutschland gerade den zweiten Weltkrieg begonnen. Das war kein guter Start - weder für das Buch - der zweite Band erschien 1942 - noch für die Verfasser, der in ihm erschienenen Arbeiten.
Prof. Dr. Wolfgang Hug weiß zu berichten: "...Übrigens ist fast die gesamte Druckauflage der Dissertation von Haselier (als "Der Hotzenwald II 1940 gedruckt) seinerzeit im Keller des Verlags bei einem Luftangriff verbrannt, weshalb die Arbeit kaum Verbreitung fand" (aus einer Mailbotschaft am 27.12.2008).

Heinrich Schwarz, der über den "Hotzenwald und seine Freibauern" gearbeitet und seine Forschungen bereits 1936 abgeschlossen hatte, fiel noch im gleichen Jahr "für seine geliebte Heimat". Dieses Schicksal ist Günther Haselier erspart geblieben. Nicht aber der Kriegsdienst. Von Dezember 1939 an bis zum September 1946 war er Soldat. Zunächst in der Wehrmacht, zuletzt als Kriegsgefangener bei den Amerikanern.

Ein Nationalsozialist ist er offenbar nicht gewesen. 1932 trat Haselier nach dem Abitur in seiner Heimatstadt Breisach in den Dienst der Verwaltung als Beamtenanwärter ein. Sein Vater hatte in Breisach ein Friseurgeschäft. Nach 1933 wurde er allerdings wegen "feindlicher Einstellung zum Nationalsozialismus" entlassen, eine Begründung, die er nach Kriegsende bestätigt erhielt und die ihm zweifelos half, in der französich besetzten Zone, zu der Südbaden gehörte, beruflich Fuß zu fassen.

Von 1933 bis Anfang 1939 studierte er in Bonn und Freiburg Geschichte, Deutsch und Englisch. Mit der Prüfung für das Lehramt an Gymnasien und der gleichzeitigen Promotion zum Dr. Phil. schloss er in Freiburg seine Ausbildung ab. Er wurde auch noch als Studienreferendar eingestellt, musste dann aber bald darauf in den Krieg ziehen.

Nach seiner Wiedereinstellung in den Schuldienst nach dem Kriege, musste er seine pädagogische Prüfung für das Lehramt an höheren Schulen ablegen. Wenn auch die Zeiten chaotisch waren und alles im Umbruch, so nahmen doch bald nach Kriegsende und von den Besatzungstruppen gefördert, die öffentliche Verwaltung und Institutionen wie Justiz, Polizei, Gesundheits- oder Bildungswesen ihre Arbeit wieder auf. Und - solange es keinen neuen Gesetze und Verordnungen gab, die die Laufbahnen im öffentlichen Dienst regelten - galten (und gelten bis heute) die alten. Und so musste der inzwischen Zweiunddreißigjährige erst die pädagogischen Prüfungen bestehen bevor er dann als Studienassessor eingestellt wurde. Bevor er aber 1951 seine Unterrichtstätigkeit als Studienrat an einem Karlsruher Gymnasium aufnehmen konnte, war er von Februar 1947 bis Schuljahresbeginn 1951 an die "Landesdirektion für Kultus und Unterricht" Baden in Karlsruhe geholt worden und nahm dort aktiven Anteil an dem Neuaufbau unseres Schul- und Bildungswesens in Baden.

 

 

Drei Jahre später verließ er den Schuldienst. Er hatte sich während dieser Zeit an der Ausarbeitung eines neuen Lehrbuchs für die Geschichte des Mittelalters beteiligt, eine Aufgabe, die er gern wahrnahm. Er setzte gleichsam um, was er bereits in den Jahren bis 1939, als er zu seiner Salpeterergeschichte die Archivalien im Generallandesarchiv in Karlsruhe durchsah, an sich selbst beobachtete: sein Neigung, sich dieser Art wissenschaftlicher Betätigung zu widmen. Und dabei wollter er bleiben. 1954 trat er in das Generallandesarchiv ein und durchlief "von da an eine beachtliche Karriere". Nach sechzehn Jahren wurde er zum Leiter des Generallandesarchivs berufen. "Im Februar 1973 konnte er Chef des Hauptstaatsarchivs Stuttgart werden und als gleichzeitiger Referent für Archivwesen im Staatsministerium Baden Württemberg an die Spitze der Staatlichen Archivwerwaltung treten. Nach der von ihm maßgeblich beeinflussten Errichtung der Landesarchivdirektion als obere Landesbehörde war er an 1. Januar 1975 deren erster Leiter, als welcher er Ende 1978 die damals eingeführte Bezeichnung Präsident der Landesarchivdirektion erhielt. Am 31. August 1979 schied er aus dem aktiven Dienst aus.

 

 

Georg Richter, der ein Mitarbeiter Haseliers war, schreibt unter anderem: "G. Haselier war ein Mensch, der auf allen seinen beruflichen Stationen die ihm gestellten Aufgaben zielstrebig und engagiert, wenn nicht sogar ungestüm anpackte." Zu diesen Aufgaben gehörte die Neuorganisation der Staatlichen Archivverwaltung, deren bis heute bewährte Strukturen die Handschrift Haseliers tragen. Er war über seine praktische verwaltende Tätigkeiten als Archivar auch als wissenschaftlicher Autor aktiv. So zählt seine Bibliographie 60 Veröffentlichungen auf, darunter mehrere Reden, die er auf Archivartagungen hielt und die später veröffentlicht wurden und mehrere Monographien (Schaub, Meinrad: Günther Haselier. In: ZGO 1992, Nr. 140, S. 445 - 449).
Darüber hinaus engagierte er sich in Fachverbänden und gehörte der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden-Württemberg an, deren Vorsitz er von 1974 bis 1978 inne hatten.

Für seine Verdienste erhielt er mehrere Auszeichnungen, wie zum Beispiel das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse und die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg.

Für die Badener unter den Leserinnen und Lesern dieser Seite noch der folgende Hinweis:
Günther Haseliers hat sich nach dem Krieg für die Beibehaltung des Landes Baden als selbstständiges Bundesland eingesetzt und auch später im Dienst des neuen Bundeslandes Baden-Württemberg am Ideal eines eigenständigen Badischen Staates festgehalten.

 

 

Eine Auswahl seiner Schriften:

Die Streitigkeiten der Hauensteiner mit ihren Obrigkeiten. Ein Beitrag zur Geschichte Vorderösterreichs und des südwestdeutschen Bauernstandes im 18. Jahrhundert. In: Quellen und Forschungen zur Siedlungs- und Volkstumsgeschichte der Oberrheinlande. Der Hotzenwald. Band 1, Hrsg: Friedrich Metz, Karl Stenzel, Paul Wentzcke. Karlsruhe 1940/41 (Eine kurze Einführung befindet sich auf dieser Homepage)

Geschichte des Dorfes und der Gemeine Weiher am Bruhrain. 1962

Geschichte der Stadt Breisach am Rhein. 1969 - 1985

Geschichte des Hotzenwaldes. Lahr 1973

 

 

Bei dieser Gelegenheit möchte ich Herrn Professor Konrad Krimm, dem stellvertretenden Direktor der Geberallandesarchivs Karlsruhe für das mit mir geführte Gespräch über Günther Haselier und für die bei dieser Gelegenheit durch ihn erfolgte Einführung in die Bestände des GLA ganz herzlich danken!

 

©Dr. Joachim Rumpf
ergänzt: 27.12.2008