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Über die Salpeterer im Hotzenwald
Historiker und Heimatforscher

Paul Eisenbeis

 

Hier ist Herr Rektor Paul Eisenbeis gemeinsam mit zwei Vertretern des Führungsteams des Görwihler Museumsvereins abgebildet

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"Wer von der Vergangenheit nichts weiß, lebt blind in die Zukunft". Mit diesem Zitat ist ein Interview mit Paul Eisenbeis, aus Anlass der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes im Jahre 1998 überschrieben. Dies war kein spontane Verlegenheitsäußerung sondern ist das Bekenntnis einer Überzeugung die Paul Eisenbeis lebt. Für seine Mitbürgerinnen und Mitbürger in der Gemeinde Görwihl und darüber hinaus im ganzen Landkreis Waldshut ist er der Heimathistoriker par excellence. Zwei Themenbereiche ragen besonders heraus und bilden qualitativ und quantitativ Akzente seines Schaffens: Das ist einmal die Heimatgeschichte mit dem Schwerpunkt auf der Geschichte des Hotzenwaldes und das ist zum anderen die zeitgenössische Chronistentätigkeit. Eine Tageszeitung erklärte 1995 zum Beispiel, dass "der kantige Lehrer mit dem festen Blick wie kein anderer das Bild seiner Gemeinde in der Öffentlichkeit" geprägt habe. Seit 1958 berichtete er über die Begebenheiten in den Gemeinden Strittmatt und Görwihl und wurde mit den Jahren immer häufiger auch Chronist des Vereinslebens. Und das ist das Besondere: Als Chronist aktueller Ereignisse schafft er unmittelbar jene Materialien, auf die spätere Heimathistoriker zurückgreifen können. Oder anders gesagt: Er ist der Berichterstatter unserer Gegenwart die schon bald Geschichte sein wird und dank seiner Arbeit jederzeit nachvollzogen bzw. nachgeschlagen werden kann. Insofern ist Paul Eisenbeis Chronist des Hier und Jetzt und kann vielfach - mit seinen historischen Kenntnissen, das erhellen und zeigen wie geworden ist, was wir heute erleben. Diese Feststellung lässt sich recht gut an unserem Heimatmuseum belegen. Wer durch Görwihls Hauptstraße geht, kann das Adlerwirtshaus mit seinem sich anschließenden Heimatmuseum nicht übersehen. Und wenn die Besucherinnen und Besucher aus nah und fern von den Exponaten auf den vier Etagen des Museums und dessen Ausstellungskonzeption beeindruckt sind, dann können sie anschließend sogleich die Geschichte dieses Heimatmuseums in einer kleinen Schrift nachlesen, die von Paul Eisenbeis verfasst wurde. Denn auch dieses Museum hat bereits seine Geschichte und, so lässt sich das o. g. Zitat ergänzen, wer die Vergangenheit kennt, versteht die Gegenwart besser. Und, wenn wir zunächst beim Museum bleiben, finden wir rasch heraus, dass Paul Eisenbeis zu den Schöpfern dieses Museums gehört. An seiner Seite arbeiteten auch andere Persönlichkeiten, die seit langem in der Gemeinde wirkten wie die Ärzte Dr. Romacker und Dr. Feige sowie der katholische Geistliche Alfred Frei. Dass aber in einer Etage ein Schulzimmer eingerichtet worden ist, so wie es die Kinder und Lehrer in den vierziger und fünfziger Jahren allenthalben noch antrafen, das deutet auf den nachhaltigen Einfluss von Paul Eisenbeis. Über das Heimatmuseum gibt es inzwischen bereits einen Videofilm. Darin agiert Paul Eisenbeis mit einer Kindergruppe und "spielt" Schule und offenbart jedem, der genau hinschaut, mit wie viel Freude und Hingabe er diesen Beruf einmal ausübte.Und damit sind wir bei seinem Beruf. Paul Eisenbeis ist "ein vielfach begabter Schulmann, der in 40 Jahren unzähligen Kindern Wissen vermittelte" so hieß es in einer Zeitung aus Anlass seines 75. Geburtstages im Dezember 2002. Bereits 1949 kam er an den Hochrhein und über die Dorfschulen in Gurtweil, Horheim, Binzgen und Oberhof 1953 nach Strittmatt. 1966 übernahm er die Rektorenstelle an der Grund- und Hauptschule Görwihl, an der er bis zu seiner Pensionierung im Jahre 1990 tätig war. Und wer, wie ich, häufig mit ihm zu tun hatte, der begegnete im Schulsekretariat der Frau Eisenbeis, die dort zwanzig Jahre hindurch Schulsekretärin war.
1927 ist Paul Eisenbeis in Oberweier bei Lahr als ältester von vier Geschwistern in einer Landwirtsfamilie geboren. Noch bevor er sein Abitur ablegen konnte, wurde er als Luftwaffenhelfer eingezogen. Nach Kriegsende konnte er die Schule abschließen. Dann begann er die Lehrerausbildung in Offenburg und ging 1950 in den Schuldienst. Zwei Jahre später heiratete er die Krankenschwester Hildegard. Beiden wurden drei Söhne und eine Tochter geboren, von denen der erste Sohn noch in seinem ersten Lebensjahr verstarb..
Im Grunde also ein äußerlich ganz unspektakulärer sehr gradliniger Lebenslauf, der, setzt man ihn in Bezug zu der Ortsgebundenheit - immerhin lebt das Ehepaar inzwischen über fünfzig Jahre in der gleichen Gemeinde, denn Strittmatt ist ein Teilort von Görwihl - als Kraftquelle für das äußerst fruchtbare historische Schaffen gedeutet werden kann.
Anlässlich seines siebzigsten Geburtstages im November 1997 bezeichnete ein Journalist in seinem Beitrag Paul Eisenbeis als "unermüdlichen Forscher und spannenden Erzähler". Und es heißt darin weiter: "In der Heimatgeschichte scheint es nichts zu geben, was ihn nicht interessiert. Und wenn er sein Wissen weitergibt - gleichgültig ob über die Herkunft von Namen, die Auswanderung nach Amerika, die Geschichte von Wegkreuzen oder auch die Herstellung von Palmen für kirchliche Feiertage - ist dies für Zuhörer immer ungeheuer spannend." Fesselnd erzählen und informativ schreiben kann nur der, der sich detailliert auskennt. Paul Eisenbeis, der in allen regionalen und überregionalen Archiven zuhause ist, behauptet nichts, was er nicht genau belegen kann. Diese quellenkundliche Genauigkeit und Vollständigkeit in der Darstellung wird ergänzt von der Fähigkeit, sich verständlich auszudrücken. Nicht zuletzt mögen diese Tugenden dazu beigetragen haben, dass er in die Vorstände des Geschichtsvereins Hochrhein und des Museumsvereins in Görwihl zum Schriftführer gewählt wurde. Selbstverständlich forschte, schrieb und sprach Paul Eisenbeis auch über die Verfassung der Grafschaft Hauenstein und die Salpetererunruhen. Im November 1993 zum Beispiel gab er, als Gast des Regionalsenders S 4, ausführlich Auskunft über die schwierigen Auseinandersetzungen der acht Einungen und der aufständischen Salpeterer mit den Klosterherren in St. Blasien und dem Kaiser in Wien.
Es gibt in verschiedenen Zeitungen und Fachzeitschriften Veröffentlichungen von ihm über die Salpeterer. Paul Eisenbeis ist Essayist und Meister der kleinen Form. Das würde es künftigen Forschern erschweren, sich seiner Darstellungen zu bedienen, wenn sie weiterhin allein in den vielen Ordnern mit Zeitungsausschnitten in seinem Arbeitszimmer aufzufinden wären. Denn Paul Eisenbeis schrieb ja nicht nur für eine Tageszeitung. Seine historischen Beiträge erschienen in mehreren regionalen und überregionalen Zeitungen und Beilagen, in Fachzeitschriften und Broschüren wie z. B. Festschriften. Anlässlich des Doppeljubiläums "1000 Jahre Österreich und 625 Jahre Hauensteiner Einungen" im Jahre 1996 verfasste er ein Stück über die Einungsmeisterwahl, das in Görwihl und Herrischried aufgeführt wurde. Die vielen verstreuten Beiträge zu denen nicht zuletzt die zahlreichen Vereinschroniken gehören, die er – teils gebeten teils gedrängt – schrieb, ergäben gesamthaft, würden sie systematisch ausgewählt und zusammengestellt, eine Geschichte der Bewohner des Hotzenwaldes und seiner Gemeinden. Diese Sammlung zusammenzustellen, bleibt eine Aufgabe für Paul Eisenbeis und seiner Freunde im Geschichtsverein. Bis dahin werden wir uns weiterhin an seinen Aufsätzen in Zeitschriften und Tageszeitungen erfreuen und die in den zahlreich gehaltenen Vorträgen – zum Beispiel über die Salpeterer des 18. und 19. Jahrhunderts – zu Tage tretenden Detailkenntnisse bestaunen.  
 

Dr. Joachim Rumpf
79733 Görwihl im August 2004

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Aus Anlass seines achtzigsten Geburttages wurde am 16. November 2007 Herrn Paul Eisenbeis die Ehrenbürgerschaft der Gemeinde Görwihl verliehen. In seiner Laudatio würdigte der Altbürgermeister und Vorsitzende des Museumsvereins Herr Harald Scheuble die Verdienste des Jubilars für die Gemeinde. Er hob besonders darauf ab, dass Herr Eisenbeis, der zunächst in Strittmatt später, von 1966 bis 2000 in Görwihl Lehrer und Rektor war, unter dem Gemeindebürgern wie bei den Schulkindern von Anfang an viel Vertrauen und ein hohes Ansehen genoss. Es sind aber seine vielen ehrenamtlichen Engagements für das Vereinsleben in der Gemeinde und für die heimatgeschichtliche Forschung, die die Auszeichnung rechtfertigten. So verfasste Herr Eisenbeis aus gegebenen Anlässen nicht nur Chroniken der Ortsteile sondern widmete sich auch der Geschicte jedes Vereins. Für die Geschichte der Grafschaft Hauenstein ist er, der hier über ein reichhaltiges Wissen und eine bemerkenswerte Detailkenntnis verfügt, Ansprechpartner für jeden historisch Interessierten.
Herr Eisenbei wurde am 16. 11. 1927 in Oberweier bei Lahr geboren. Bereits mit sechzehn Jahren als Luftwaffenhelfer zum Kriegsdienst eingezogen, kam er bereits ein Jahr später zum Fronteinsatz und bei Kriegsende in Gefangenschaft. Beides, so hob er in seiner Dankesrede hervor, überstand er mit viel Glück ohne Schaden. 1948 konnte er seine Schulausbildung mit dem Abitur abschließen. Für ihn stand fest, dass er Volksschullehrer werden wollte. Das erreichte er auch, kam zunächst in Dörfern des Landkreises Waldshut zum Einsatz und 1953 als Alleinlehrer in die Dorfschule nach Strittmatt.
Zu diesem Zeitpunkt war er bereits mit der diplomierten Krankenschwester Hildegard verheiratet. Mit ihr und ihren drei Kindern begingen sie vor wenigen Jahren das Fest der Goldenen Hochzeit.In Görwihl gehörte er, als Vertreter der CDU, viele Jahre dem Geminderat an. In diesem Gremium hatte er maßgeblichen Anteil daran, dass die Zusammenlegung der Gemeinden im Zuge der Gemeindereform störungsfrei verlief, am Neubau der Grund- und Heuptschule in Görwihl und am Bau des Schwimmbades, auf das die Gemeinde besonders stolz ist.