Logo

 

Das Heimatmuseum Hotzenwald in Görwihl

 

Was im Heimatmuseum besichtigt und kennen gelernt werden kann

 



 

Auf vier Etagen ist ausgestellt, was in den vergangenen dreißig Jahren zusammengetragen wurde.
Kriegerisch sieht es im Eingangsbereich aus, weil da zwei Kanonen stehen. Dabei sind alle Museumsmitarbeiterinnen und -Mitarbeiter sehr friedfertige Menschen. Aber friedlich ging es bei uns nicht in allen Zeiten zu. Und es soll noch heute Menschen und Staaten geben, die unterschiedliche Meinungen und Bestrebungen nur mit Gewalt lösen wollen. Zur Erinnerung und als Mahnung strecken die Kanonen ihre leeren Rüssel aus. Sie sind heute harmlos und mahnen uns, uns zu vertragen.

Hinter der Eingangstür gleich links geht es in den Ausstellungsraum, der viele jener Gerätschaften birgt, mit denen die Bauern und Kleinhandwerker in unseren Dörfern täglich umgingen. Neben den vielfältigen Werkzeugen ist aber eine ganz besondere Werkstatt aufgebaut worden, die es wohl kaum in einem anderen Museum betrachtet werden kann: Die Salpetererwerkstatt.
Was es mit der "Salpeterei" bei uns im Hotzenwald auf sich hatte, das wird ja auf den vielen Seiten dieser Homepage gezeigt. Und weil die Salpererunruhen ein zentraler Ausschnitt aus unserer Geschichte sind, nahmen wir das zum Anlass, diese Werkstatt unter Anleitung des Münchner Volkskundlers Herrn Professor Oberholzer aufzubauen.

Hier eine Aufnahme dieser Werkstatt

 



siederei


 

Wenn man die ziemlich steile Holztreppe in die zweite Etage hinaufsteigt, kann es durchaus sein, dass es immer lauter rumpelt und brummt. Den Lärm verursacht der alte elektrisch betriebene Seidenbandwebstuhl, den unser Webermeister Oskar Matt gerade in Betrieb genommen hat. Es handelt sich um den einzigen noch voll funktionsfähigen Webstuhl, der aus einer Zeit übrig blieb, in der noch vor einem Menschenalter viele in den Stuben der Hotzenwaldbauern standen und täglich viele Stunden lnag lärmten.

Neben diesem Ungetüm von einem Webstuhl versammelten sich im Laufe der Jahre noch andere. Sogar die ersten bekannten Webstühle, auf denen vor vielen Jahrhunderten unsere Kleidung gewoben wurde, sind rekonstruiert worden.

 

Am Dienstag, d. 25. März 2003 schreibt Der Schriftführer in das Protokollbuch:

"Heute erfährt unser Museum eine wertvolle Bereicherung. Der von Webermeister Oskar Matt / Segeten in Zusammenarbeit mit dem Spender Paul Schmidle von Niederhof in monatelanger Tüftlerarbeit wieder zu voller Funktionstüchtigkeit instandgesetzte Webkopf wird von Segeten ins Museum gebracht... Mit dem eigenen Hänger fährt Paul Schmidle das schwere Gerät nach Görwihl. Das Hauptstück (ohne Untergestell), der sogenannte Webkopf, der rund 100 Kg wiegt, wird von Paul Schmidle, Oskar Matt, Fritz Maier und Harald Scheuble abgeladen, gemeinsam in den Lift getragen und an den vorbereiteteten Platz aufgestellt..."

Von den fleißigen Mitarbeitern hier ein Bild, das Herr Eisenbeis fofografierte:

 



Samtwebstuhl

 

Ein Samtbandwebstuhl sorgte dafür, dass die Sammlung von Webmaschinen komplettiert werden konnte. Er wurde im Jahre 2004 aufgestellt. Das ganze Winterhalbjahr arbeiteten drei kompetente "Tüftler" daran, wie es im Protokollbuch Herr Eisenbeis beschrieb, das schrottreife Gerät, das dem Museum ebenfalls von Herrn Kuny, Textilfabrikant aus Küttigen (CH) geschenkt worden war, wieder zum Laufen zu bringen. Heute kann der Webstuhl von den Besuchern besichtigt und sogar in Betrieb beobachtet werden.

 



 

An der Reihe der Webstühle vorbei öffnet sich nach links der Raum, in dem große Glasvitrinen stehen. Sie bergen die alljährlich wechselnden Exponate der Sonderausstellungen.

Neben ihnen "ums Eck" befinden sich Möbel und andere Einrichtungsgegenstände, wie sie noch bis vor fünfzig Jahren in den meisten Bauernhäsern selbstverständlich waren.

 



 

Verlässt man den großen Raum in der zweiten Etage und geht nach hinten an der Galerie mit den Fotos der ehemaligen Bürgermeistern und Ortsvorständen vorbei, kommt man zum Aufgang in das dritte Geschoss. Dort oben hat es zwei Ausstellungsräume:

in dem ersten, die Tür zur Linken, befindet sich "die alte Schule" und im zweiten, hinter der Glastür geradezu kommt man in den Ausstellungsraum mit den Trachten.

Dass ein Klassenzimmer mit Einrichtungsgegenständen in die Ausstellung aufgenommen wurde, dass an die Kindheit der heutigen großelterngeneration erinnert hat wenigstens zwei Gründe. Da gibt es einmal den ehemaligen Schulleiter Paul Eisenbeis, der im Hotzenwald den Löwenanteil seiner Dienstjahre verbrachte und wusste, wo die alten Schulmöbel noch zu finden waren. Und da gibt es die Beziehung zur Funktion der heutigen Museumsräume, in denen sich einst die dörfliche Gewerbeschule für die Mädchen und die Buben befand, die nach der Volksschulzeit für die Arbeiten in Hausahlt und Landwirtschaft gerüstet wurden. Noch heute zwängen sich unsere Besucherinnen und Besucher, die aus vielen Landschaften der Bundesrepublik zu uns kommen, gern in die Bankreihen und erinnern sich lauthals und fröhlich an ihre Kindheit.

Gemeinsam mit den Kindern vom Kinderheim Alpenblick in Görwihl-Rotzingen wurde im Museum unter anderem auch eine Schulstunde mit Herrn Eisenbeis als Lehrer gefilmt. Dieses "Museumsvideo" kann man sogar kaufen und als Erinnerung mit nach Hause nehmen. Hier einige Bilder daraus:

 



schule

schule2


schule3

 

Der Raum mit den Trachten, er wurde unter dem Patronat von Professor Oberholzer eingerichtet, bietet gründliche Informationen darüber an, welche Kleidung Hotzenwälderinnen und Hotzenwälder im 19. Jahrhundert wenigstens an Sonn- und Feiertagen anlegten. Aber auch Bilder hängen an den Wänden, die zeigen, wie die dörflichen Eliten, ich denke da zum Beispiel an die Einungsmeister, die gewählten Vertreter der wahlberechtigten Einwohner im Hauensteinischen, im 18. Jahrhundert gekleidet waren.

 



saal

 



Kappe


Trachten


 

Schon früh in der Geschichte der Menschen in unserer Landschaft spielte die Eisengewinnung eine große Rolle. Das Erz wurde seit der "Eisenzeit", also schon in keltischer und römischer Zeit, unter anderem aus den Bergen am Hochrhein, im Wiesen- oder Fricktal angebaut und die zur Verhüttung notwendige Holzkohle aus den umliegenden großen Waldungen von Jura und Schwarzwald gewonnen. Zur Weiterverarbeitung boten die wasserreichen Flüsse ihre Kräfte an. Vor allem im hohen Mittelalter bis in die Zeit des Dreißigjährigen Krieges waren das Wiesental oder am Fuße des Hotzenwaldes Stadt und Landschaft Laufenburg ein Zentrum eisenverarbeitenden Handwerks. In Laufenburg, dort, wo heute die Papierfabrik steht, befand sich von 1642 bis 1866 ein großes Eisenwerk. In den "Hämmern" wurde das Metall ebenso geschmiedet, wie von den Naglern oder den Drahtziehern unter Verwendung des gekohlten Holzes aus den Wäldern. Im Zentrum dieser kleinen Abteilung unter dem Dach in der vierten Etage unseres Museums steht das Modell eines Eisenwerks aus dem Wiesental, das der begeisterte Bastler Herr Walther Arzet aus Hausen in mühevoller Kleinarbeit maßstabsgetreu gebaut hat.

 




huette


Glocke










Text
Text und Bild von Paul Eisenbeis in der Badischen Zeitung  Freiburg vom 14. 01. 2012

Peter Schütz im Suedkurier am 31. März 2012





Glocke Einführung

Am 16. Juni 1963 wurde die Dietrich-Bonhoeffer-Glocke feierlich eingeweiht, nachdem sie wenige Wochen zuvor in einem festlichen Umzug in die Gemeinde Görwihl eingeholt worden war, wie es das nebenstehende Bild zeigt. Über diesen Festtag wurde in den Zeitungen unserer Region berichtet.


Ab Juni  1963 war diese Glocke in der Gemeinde Görwihl zu hören.


“Zu einem frohen Fest der evangelischen Diasporagemeinde Görwihl wurde die feierliche Glockenweihe, die am Sonntagmorgen im neuen Tagungsraum des Albert-Schweitzer-Hauses in Görwihl vollzogen wurde. In Anwesenheit vieler Gäste aus nah und fern wurde der Gottesdienst mit einem Konzert für Klavier, Violine und Flöte eröffnet. Den Eingangsgebeten, gesprochen von Prälat Dr. Bornhäuser, Freiburg, folgte ein mehrstimmiges Kirchenlied, gesungen vom evangelischen Singkreis Görwihl und dem Kinderchor des Kinderheimes Hogschür. Die Dirigentin des Chores, Frau Waltraud Schütterle, Hogschür, sang im weiteren Verlauf der Feier die Arie “Meine Seele hört im Sehen” von Händel.

Nach dem gemeinsam gesprochenen Glaubensbekenntnis und einem Lied des Chores nahm Prälat Dr. Bornhäuser den eigentlichen Weiheakt vor. Da die neue Glocke schon einige Wochen stumm im Turm hänge, sei nun ihre heutige Weihe ein froher Tag für die Ganze Gemeinde. Auf Anregung von Amtsgerichtsdirektor Dr. Kley, Konstanz, habe die Glocke den Namen “Dietrich-Bonhoeffer-Glocke” erhalten. Bonhoeffer, ein Zeuge Christi in unseren Tagen, wurde kurz vor Kriegsende für seinen Bekennermut in Berlin hingerichtet.

Nun wurde die Inschrift der 170 kg schweren, in Karlsruhe gegossenen Glocke, die den Ton “es” hat, verlesen. Auf der einen Seite steht in erhabenen Grossbuchstaben:

                        Dietrich Bonhoeffer

                        geb. 4.2.1906

                        gest. 9.4.1945

Die andere Seite zeigt ein mit einer Dornenkrone durchflochtenes Kreuz. Darunter stehen die Wort: „Durch seine Wunden sind wir geheilt. Jes. 53.5“. Es ist dies das Losungswort, über das Bonhoeffer am Tage vor seiner Hinrichtung seine letzte Andacht gehalten hatte. In zwei Zeilen, die rund um den unteren Glockenrand laufen, ist die letzte Strophe eines Gedichtes zu lesen, die der Hingerichtete in der Gestapohaft geschrieben hat:

„Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiß an jedem neuen Tag.“

Unter dem freudigen Choral „Nun danket alle Gott“ ließ die neue Glocke zum erstenmal vom Turm ihre eherne Stimme erklingen.

aus: Chronik der evangelischen Kirchengemeinde Görwihl
Görwihl 1986, S. 51




 


Diese erste virtuelle Führung hat Sie, liebe Besucherin, lieber Besucher, hoffentlich angeregt, bald einmal die Originale in Augenschein zu nehmen! Vom Parterre bis unter das Dach werden Sie eintauchen in Geschichte und Kultur des Hotzenwaldes. Vieles hat sich bei uns auf dem Wald verändert. Es sind zum Beispiel Elend und existentielle Not, wie sie noch vor einem halben Jahrhundert in unseren Dörfern selbstverständlich waren, deutlich geschwunden. Darum ist es ganz gut sich zu erinnern, woher wir kamen und wie beschwerlich der Weg war, den wir bis zu unserem gegenwärtigen relativen Wohlstand in Frieden zurücklegen mussten.

 



zurück zur Einführung


zurück zum Inhaltsverzeichnis