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Das Hotzenwaldmuseum in Görwihl

 

Das Heimatmuseum Hotzenwald in Görwihl und sein Trägerverein

Von den Anfangsjahren bis in die Gegenwart

 

Vorbemerkungen

Am 26. April 2005 jährt sich nun zum dreißigsten Male der Tag, an dem der Förder- und Trägerverein des Görwihler Museums ins Leben gerufen wurde. Diesen Geburtstag nehme ich zum Anlass, hier Einiges über diesen Verein und das Museum zu erzählen und zu zeigen.


In den letzten Jahren ist mehr und mehr das WWW zu einem allgemein und gern genutzten Kommunikationsmedium geworden. Gerade auf einer Homepage, die, wie diese hier, dem Andenken an die Salpeterer im Besonderen und zugleich der Geschichte und Politik in unserer Heimat im Südschwarzwald, am Hochrhein und in der alten Markgrafschaft gewidmet ist, darf der Blick auf das Heimatmuseum nicht fehlen. Und noch etwas unterstützt diese Begründung: im Heimatmuseum ist unter der Anleitung des Münchner Professors Dr. Oberholzer die einzige funktionsfähige Salpetersiederei Deutschlands errichtet worden. Sie erinnert an die historischen Ereignisse vor zweihundertachtzig und einhundertfünfzig Jahren, die damals die Menschen auf unserem Wald und die Regierungsstellen bewegten. Diesen Nachfahren einstiger Bauernkrieger gehört noch heute die große Aufmerksamkeit von Wissenschaft und Forschung und von zeitgenössischen politischen Strömungen, wie auf dieser Homepage nachgelesen werden kann. Die Salpeterer, auch darüber wird berichtet, finden auch in Dichtungen und Festspielen immer wieder Beachtung.
Es gab sogar in der Gründungsphase des Museumsprojekts einmal die Überlegung, diesen Salpetererbewegungen eine besondere Abteilung oder ein Archiv zu widmen. Dieses Vorhaben liegt noch "auf Eis". Noch reichen die Dokumente und Bilder aus jenen Zeiten für eine repräsentative Schau kaum aus. Und eine Ausstellung der reichlich vorhandenen Schriftstücke in den Archiven in Karlsruhe, Innsbruck, Wien oder St. Paul / Kärnten hätten nur Historiker, kaum jedoch eine breite Öffentlichkeit zu einem Besuch gereizt.
Die Salpetersiederei aber, die indirekt und unübersehbar die Verbindung zu den historischen Begebenheiten um den Salpetererhans und seinen Nachfahren im Geiste herstellt, ist ein geeigneter Anziehungspunkt für ein Museum.

Wenn ich als Chronist der geschilderten Entwicklungen von "uns" spreche, dann meine ich damit die Bürgerinnen und Bürger unserer Ortsteile in der Gemeinde Görwihl zu denen meine Familie und ich seit mehr als drei Jahrzehnten gehören. Und weil ich, abgesehen von der Mitgliedschaft im Museums- und anderen Vereinen bisher keinerlei Funktion und kaum Verdienst an der Erfolgsgeschichte des Vereins bekennen muss, darf ich als unbefangen genug gelten, die Geschichte mit einer gewissen engagiert-interessierten Neutralität vorzulegen. Engagiert, weil mich alles Historische fesselt und interessiert als eine Person, die sich daran gewöhnt hat, hinter allen Dingen und Ereignissen die Menschen zu suchen, die sie bewegen. Wenn wir vom "Gemeindeleben" sprechen, denken wir an die Menschen, die durch ihr Tun und lassen eine Gemeinde zu "Leben" bringen. Und mit dem "kulturellen Leben" in einer Gemeinde ist es genau so. Und zum kulturellen Leben der Gemeinde Görwihl gehört seit 1975 der Förderverein Heimatmuseum Hotzenwald.

Über das Heimatmuseum in Görwihl ist bereits sehr viel geschrieben worden. Vor allem in unseren Tageszeitungen und in Heimatzeitschriften hat vor allem der Rektor i. R. Paul Eisenbeis sehr engagiert und bereits mehrfach die Geschichte dieser bemerkenswerten kulturellen Einrichtung dargestellt. Sogar ein reich bebildertes repräsentatives Heft wurde vom Museumsverein aus Anlass des Jubiläums herausgegeben. Einige der von mir verwendeten von Herrn Eisenbeis aufgenommenen Bilder sind dieser repräsentativen Schrift entnommen. Wer sich gründlicher über die Geschichte und die zahlreichen Angebote des Museums und seines Trägervereins unterrichten möchte, ist auf diese Veröffentlichungen verwiesen, die im Museum erhältlich sind.

Die von mir auf diesen Seiten zusammengestellte Rückschau ist eine subjektive Auswahl mit eigenen Akzenten und daher mit zahlreichen Lücken. So wird unter anderem auf die alljährlichen "Sonderschauen" hier ebenso wenig eingegangen, wie auf Details chronologischer Abläufe in Bau und Gestaltung des Hauses oder viele der zahlreichen Begebenheiten im Vereinsleben.

In der Zukunft werden diese Seiten zweifellos noch einige Ergänzungen erfahren. Es lohnt sich also, von Zeit zu Zeit wieder einmal hineinzuschauen.

Görwihl im April 2005

 

Heimatmuseum

 

Wie Görwihl zu diesem Museum kam und wie es in den vergangenen dreißig Jahren heranwuchs

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Jedes Jahr im Herbst ist der Martinimarkt bei uns in Görwihl ein wichtiges Ereignis. Es kommen nicht nur viele Händler mit ihren Waren und Verkaufsständen von auswärts. Auch Vereine, Schulklassen und Einzelpersonen bieten etwas zum Verkauf an. Und als an Martini 1974 der Schulleiter Paul Eisenbeis mit den katholischen Geistlichen über den Markt gingen, zwischen Schule und Kirche drängen sich stets die meisten Menschen an den Ständen, glaubten sie ihren Augen nicht zu trauen: auf und um den Tisch der katholischen Frauengemeinschaft wurden Haushalt- und landwirtschaftliche Geräte aus vergangenen Zeiten feil geboten. Die Wohlstandsgesellschaft hatte das "Alte" wieder entdeckt und nicht wenige Familien dekorierten ihre neuen Häuser und Wohnungen innen und außen mit alten Geräten aus Küche und Garten, Werkzeuge oder anderen Gegenständen, die vor Generationen zur Aussteuer eines jungen Paares gehörten.
"Das geht doch so nicht", so sprachen beide Herren miteinander, "dass alte Stücke hier verramscht werden, die für die Nachwelt dann auf immer verloren sind. Das, was wertvoll genug ist, für Gegenwart und Zukunft bewahrt zu werden, das sollten wir zusammentragen. Vor allem das, was typisch ist aus der Alltagsgeschichte unseres Hotzenwaldes, was einst Bedeutung hatte für das Leben und Überleben unserer Voreltern, das verdient bewahrt zu werden". Dieses und Anderes besprachen die beiden.
Herr Eisenbeis, der ohnehin als Heimatgeschichtsforscher schon seit langem mit dem Gedanken gespielt hatte, ein Museum in der Gemeinde einzurichten, trug bei nächster Gelegenheit seinem Mitstreiter in Gemeinde- und Pfarrgemeinderat Herrn Dr. Bruno Feige, zugleich einer der beiden praktischen Ärzte in Görwihl, diese Idee vor. Auch Herrn Dr. Feige waren die "Antiquitäten -Basare" ein Dorn im Auge und auch er war der Überzeugung, dass es bedeutsamere Verwendungszwecke für die Zeugnisse vergangener Alltagskultur geben könne. Die drei Herren holten Herrn Dr. Romacker, den anderen Görwihler Landarzt hinzu und verabredeten, einen Verein "Heimatmuseum Hotzenhaus" ins Leben zu rufen. Es schwebte ihnen vor, ein altes Bauernhaus im Gemeindegebiet in den alten mit Stroh gedeckten Zustand wieder herzustellen und es mit altem Hausrat und bäuerlichem Gerät auszustatten.

Sowohl die Herren Dr. Feige und Dr. Romacker als auch der Pfarrer Frei wussten von ihren vielen Hausbesuchen, die sie tagaus tagein zu machen hatten, dass in nicht wenigen der noch erhaltenen alten Bauernhäuser manches stand oder lag, als Gerümpel im Keller oder auf dem Speicher oder sogar noch in Gebrauch war, auf das man die Besitzer ansprechen müsste. Auch der Bürgermeister, Herr Harald Scheuble, wurde in den Plan eingeweiht. Er war sofort von diesen Überlegungen angetan und sicherte zu, das Vorhaben nach besten Kräften zu unterstützen. Schon in einer der folgenden Gemeinderatssitzungen wurde das Projekt "Heimatmuseum Hotzenhaus" vorgetragen und fand ungeteilte Zustimmung. Selbstverständlich waren alle aufgefordert, sich selbst an der Sammlung ausstellungswürdiger Gerätschaften zu beteiligen. Im Gemeindemitteilungsblatt und in den Tageszeitungen erschienen entsprechende Aufrufe.

Zum 26. April 1975 berief Herr Scheuble, unser Bürgermeister von 1969 bis 1999, öffentlich zur Gründungsversammlung eines Fördervereins "Heimatmuseum Hotzenhaus e. V. Sitz Görwihl" ein. Diese Versammlung fand im Rebstocksaal statt. 25 Einwohnerinnen und Einwohner waren erschienen von denen mehrere unter der Leitung des Bürgermeisters in den Vorstand des neuen Vereins gewählt wurden.

Der Vorstand gab in seiner ersten Zusammenkunft am 14. Mai 1975 dem Förderverein folgende Ziele:
Errichtung eines Hotzenhauses als Heimatmuseum
Pflege heimatlichen Brauchtums
Das Geschichtsbewusstsein der Bürger zu erhalten und wachzurufen
Anziehungspunkte für den Fremdenverkehr durch Ausstellungen und Heimatabende

Es sei nur gleich angemerkt, dass das Vorhaben, ein "Hotzenhaus" zu errichten aufgegeben wurde, als 1989 in Niedergebisbach, einem Ortsteil der Nachbargemeinde Herrischried, der "Klausenhof" zu einem Bauernhausmuseum ausgebaut wurde.

In Görwihl kamen eine Menge alter Gegenstände, hauptsächlich bäuerliche Werkzeuge, Einrichtungsgegenstände oder Kleidungsstücke zusammen. Einen Ausstellungsraum aber gab es am Anfang noch nicht. Zum Vereinsvorstand gehörte, wie gesagt, der Rektor unserer Grund- und Hauptschule.

Herr Eisenbeis hatte nicht nur die Gründungsidee. Er engagierte sich für diesen Verein mit außergewöhnlichen Gaben und Interessen, führte von Anfang an sorgsam Buch und machte zahlreiche Aufnahmen. Die meisten in diese Homepage eingefügten Bilder sind von ihm.

In seiner Eigenschaft als Hausherr der Schule stellte Herr Eisenbeis die Aula für eine erste Ausstellung der sehenswertesten Exponate zusammen. Selbstverständlich waren Bürgermeister und Ratsschreiber, letzterer gehörte ebenfalls dem Vorstand an, als Hauseigentümer einverstanden und mit von der Partie. Diese erste Ausstellung fand am Wochenende 19./20. Juli 1975 statt. Ein kompletter Leiterwagen und, in einer Vitrine die so genannte "Salpeterer-Madonna" aus Rotzel, die sich damals noch dort in Privatbesitz befand, waren Hauptanziehungspunkte der Ausstellung. Das Interesse der Görwihler - und hier sind zugleich alle Einwohnerinnen und Einwohner aus den Ortsteilen mit gemeint - war so groß, dass an zwei weiteren Wochenenden während der Sommerferien 1975, die Ausstellung erhalten blieb. Über eintausend Besucher waren allein am ersten Wochenende gekommen.
Und die Vorstandsmitglieder führten Aufsicht und standen den großen und kleinen staunenden und fragenden Besucherinnen und Besuchern Rede und Antwort. Damals sahen viele von uns zum ersten Mal jene Gerätschaften, die vor nicht allzu langer Zeit für die Arbeit in Haus und Hof, auf Feld und im Wald unentbehrlich waren.

Herr Dr. Romacker besaß gegenüber dem Rathaus ein älteres, gerade frei gewordenes Häuschen, den ehemaligen Laden Siebold mit Schaufenster. Er hatte spontan und kostenlos dieses Haus als erstes Domizil für Ausstellungsstücke zur Verfügung gestellt. Mehr noch: er besaß eine uralte und gut erhaltene Bettstatt samt Matratze, Bettzeug und Himmel, die er in die Ausstellung geben wollte. Denn selbstverständlich gehörte das geplante Hotzenhaus auch möbliert. So konnten, als das Haus von den Initiatoren im Innern hergerichtet worden war, das erste Museum darin eröffnet werden. Und jeden Sonn- und Feiertag war es vormittags eine Stunde geöffnet und erfreute sich regen Zuspruchs.

 

 

 

 

Am 15. Februar 1982 wird in einer Gemeinderatssitzung vorgeschlagen, das Heimatmuseum künftig in das Gebäude der ehemaligen Gewerbeschule an den Marktplatz zu verlegen. Die Gemeinde hatte erfahren, dass das Haus Romacker, in dem das Museum untergebracht war, wegen des Ausbaus der Landstraße L 153 abgerissen werden wird.
1983 wurde unter der Leitung des Architekten Maier aus Laufenburg, der auch die Fassadengestaltung des der ehemaligen Gewerbeschule benachbarten Gasthauses Adler übernommen hatte, mit dem Ausbau des künftigen Museums begonnen

Am 22. Februar 1985 war es soweit und das Haus Romacker gegenüber dem Rathaus musste geräumt werden. Alle Exponate wurden registriert, in Kisten verpackt und in der ehemaligen Gefrieranlage am Mühleberg untergestellt.

Einer der am eifrigsten in den ersten Jahren im Museum mit wirkte und auch mal Aufsichten und Führungen übernahm, war der Schüler Andreas Flum. Das alte Museum war Sonn- und Feiertags stets von 10,30 bis 11,30, geöffnet. Herr Eisenbeis schrieb dazu am 29. März 1985:
"Vor allem die Feriengäste aus der weiten Umgebung oder auch Heimatfreunde aus nah und fern fanden sich hier ein und bewunderten unsere Schätze, vor allem die bemalten Möbel und bäuerlichen Geräte".
Die Aufsichten in diesen neun Jahren wurden überwiegend von ihm selbst und Herrn Dr. Feige wahrgenommen.
Nun gab es etwas über ein Jahr kein Museum in Görwihl.

Im August 1986 transportierten die Herren Paul Eisenbeis, Dr. Bruno Feige und Andreas Scheuble, unterstützt vom Gemeindearbeiter Andreas Mutter, an mehreren Tagen alle Ausstellungsstücke; diesmal mit einem Kombifahrzeug von der Gefrieranlage in das neue Museum, in dem inzwischen zwei Etagen für Ausstellungszwecke hergerichtet worden waren. Dort wurden die Exponate gleich am richtigen Platz aufgestellt.
Auch im September gab es noch täglich Arbeiten im Museum. Die Vitrinen, die von der Fa. Richard Baumgartner gebaut worden waren, mussten aufgestellt und bestückt werden.
Auch Professor Oberholzer legte mit Hand an und ließ es sich nicht nehmen, die Salpetersiederei mit aufzubauen und unter anderem selbst in den Ställen unserer Landwirte die Ausblühungen von den Wänden abzukratzen, die der Salpetergewinnung als Grundmaterial dienen. Zu gleicher Zeit richtet in mühevoller Kleinarbeit Oskar Matt, der im Ruhestand lebende Webermeister aus Segeten, den großen Posamentenwebstuhl her, der mit zunächst neun Bändern zu laufen beginnt.

Der Seidenbandwebstuhl, der ein besonders wertvolles Ausstellungsstück des Museums ist, stammt von der Fa. Sarasin und stand bis zum November 1978 bei der FamilieBitterli-Blind in Rünenberg Kanton Basel-Land. Der alte Weber dort war achtzig Jahre alt und hatte an zwei Webstühlen für Sarasin gearbeitet und wollte jetzt aufhören. Der Sachverständige Webermeister Zeno Spitz aus Herrischried befand, dass die Webstühle noch gut in Schuss seien. So wurde einer von ihnen zum Preis von 1.200 SFR vom Verein erworben. Doch mit dem Erwerb dieses Webstuhls war die Hauptarbeit je noch nicht geleistet. Er musste ins Heimatmuseum gebracht und dort aufgestellt werden. Darüber heißt es im Protokollbuch von Paul Eisenbeis unter dem 28. November 1978:

"Heute wurde der Seidenbandwebstuhl in Rünenberg abgeholt. Mit dabei als Helfer: Dr. Bruno Feige, Paul Eisenbeis, Gemeindearbeiter Eugen Mutter von Görwihl und Zeno Spitz samt LKW-Fahrer von Herrischried.
Der Seidenbandwebstuhl Nr. 474 wurde zuerst samt dem alten Weber fotografiert von P. Eisenbeis. Dann wurde der Stuhl zerlegt und größtenteils durch das Fenster nach draußen auf den LKW verladen. Von der Fa. Sarasin war Meister Oskar Herold aus Weil am Rhein dabei.
Durch raschen Entschluss von Zeno Spitz konnte der 2. Webstuhl für Herrischried erworben werden…(Dort steht er im Klausenhof-Museum). In Görwihl wurden die Einzelteile unter großer Anstrengung die alten steilen Holztreppen im Rathaus hinauftransportiert und im 3. Stockwerk wieder fachmännisch zusammengebaut. Alle Teile überstanden den Transport heil. Der Posamenterstuhl ist über 4 m lang, auf ihm können gleichzeitig 42 Bänder gewoben werden."

Wenn unser Webermeister Oskar Matt den großen Posamenter Webstuhl anfährt, dann versteht man kaum noch sein eigenes Wort. Der große Raum ist mit Lärm gefüllt und der Dielenboden vibriert im Takt der Maschine. Wenn man sich nun vorstellen muss, dass derartige Webstühle in den Stuben der Bauernhäuser aufgestellt waren, so, wie es heute noch im Hotzenhausmuseum zu sehen ist, dann können wir nacherleben, dass das für die daran arbeitenden Webern und ihren Familien eine enorme Belastung gewesen sein muss. Herr Matt, der selbst diese Webstühle in seinem Elternhaus hatte, sagte, dass er als Kind nicht habe einschlafen können, wenn sie still standen!

Am 5. Juli 1986 ist der Nachbau des ältesten Hotzenwälder Webstuhls, der sich im Waldshuter Museum befindet, fertig. Fritz Maier hat ihn originalgetreu geschreinert.

Prof. Oberholzer besorgte die Detailkonstruktion eines "Einfach-Webstuhls", wie er im Deutschen Museum in München steht. Ein originalgetreuer Nachbau wurde von Heiner Michel, dem Schulhausmeister und der Handarbeitskehrerin Elisabeth Stocker hergestellt.

 

Am Freitag, d. 12. September 1986 wird in einer festlichen Stunde das Museum eingeweiht und der Öffentlichkeit übergeben. Zur Einweihungsfeier, die kirchliche Einsegnung nahmen die Pfarrer Frau Holch von der evangelischen und Herr Frey von der katholischen Gemeinde vor, waren auch der Bundestagsabgeordnete der CDU des Landkreises und der Landrat erschienen. Attraktionen waren an diesem Tag die Herstellung von Salpeter, das Prof. Oberholzer herstellte und der Webstuhl, den Herr Matt vorführte.
Aus Anlass dieses Ereignisses hatte Herr Eisenbeis den ersten geschichtlichen Rückblick über die Entstehung des Heimatmuseums vorgelegt.

Am Sonntag d. 14. September 1986 war der erste Besuchertag. Das Museum war den ganzen Tag über geöffnet. Über tausend Besucher drängten sich auf den beiden Etagen. Und während im Museum die Initianten den Besuchern Fragen beantworteten und zu den Ausstellungsthemen Erläuterungen gaben, veranstalteten die Vereine in der Hotzenwaldhalle ein Fest mit vielen Angeboten für Ohr, Auge und Magen. Eigentlich war dieses Fest auf dem Marktplatz vor dem Museum geplant. Wegen des großen Regens an diesem Tag aber fiel dieses Vorhaben ins Wasser.

Dies war aber erst der Anfang des neuen Museums. Im Oktober 1992 begann der Ausbau des zweiten Obergeschosses. Im November 1994 war der abgeschlossen und wurde mit einer Ausstellung von Aquarellen des Dr. Feige eröffnet.
Erst Ende des Jahres 2000 waren alle Aus- und Umbauarbeiten beendet. Seither präsentiert der Verein die Exponate auf vier Etagen, in deren jüngster, unter dem Dach, eine "Eisenabteilung" eingerichtet worden ist. Beim Gang durch das Museum lassen sich vier Etagen mit jeweils eigenen Schwerpunktthemen besuchen:

In dieser vierten Etage, dem zweiten Obergeschoss, befindet sich das von Herrn Arzet aus Hausen sehr aufwändige und präzis erarbeitete Modell des Eisenwerkes Hausen im Wiesental. Viele Hotzenwälder hatten im 19. Jahrhundert im alten Eisenwerk Albbruck Arbeit gefunden. Dieses Gewerbe gehörte genau so zu unserer Geschichte, wie die die Nägelherstellung oder die Drahtzieherei.

Im zweiten Obergeschoss befindet sich die alte Dorfschule und neben ihr ist die reichhaltig ausgestattete Trachtenabteilung in einem gesonderten Raum untergebracht. Dazu das Folgende:

In einer Besprechung mit dem Bürgermeister Scheuble und dem Vorstand am 4. Februar 1994 wurde vorgeschlagen, bei der Räumung der alten Schulhäuser der Gemeinde in Engelschwand und Segten, das Mobiliar nicht zu zerstören, sondern aufzubewahren. Vorerst auf dem Dachboden des Museums. Für das Ausstellungsjahr 1995 wurde der Aufbau eines Klassenzimmers mit alten Schulutensilien vorgesehen. Anlass für diese Idee bot das im gleichen Jahr zu begehende 25-jährige Jubiläum der Görwihler Grund- und Hauptschule.
Im Juli 1996 war die "alte Dorfschule" eingerichtet und sogar der Holzfußboden so bearbeitet worden, dass sich die ältesten Besucherinnen und Besucher, die Gerüche aus ihrer Schulzeit wieder erkannten.
Seither gehört es zu den Attraktionen für unsere Besucher, wenn Herr Eisenbeis, in jungen Jahren selbst Lehrer an einer alten Dorfschule, in diesem Raum Unterricht abhält. Vor allem Schulklassen, die das Museum gern besuchen, lassen sich gern für einen Moment von der so ganz anderen Atmosphäre der Schulstuben ihrer Großeltern mit Griffel, Schiefertafel, Tintenfass, Federhalter und Rohstock einfangen. Überhaupt ist das Museum eines, das Kinder anzusprechen vermag. Kommentare m Besucherbuch würdigen dieses Museum zum Anfassen, in dem es keine Schranken und Berührungsverbote gibt und stattdessen alljährlich neue Preisausschreiben Kinder zu aktivem Mitmachen herausfordern.

Der Nadelwebstuhl von der Fa. Kuny, Bandweberei in Küttigen (CH), wurde im Februar 1993 in Betrieb genommen.
Spindel, Hanspinnrad und Spinnrad waren ebenfalls im Winterhalbjahr komplett versammelt.

Ein Samtbandwebstuhl sorgte dafür, dass die Sammlung von Webmaschinen komplettiert werden konnte. Er wurde im Jahre 2004 aufgestellt. Das ganze Winterhalbjahr arbeiteten drei kompetente "Tüftler" daran, wie es im Protokollbuch Herr Eisenbeis beschrieb, das schrottreife Gerät, das dem Museum ebenfalls von Herrn Kuny, Textilfabrikant aus Küttigen (CH) geschenkt worden war, wieder zum Laufen zu bringen. Heute kann der Webstuhl von den Besuchern besichtigt und sogar in Betrieb beobachtet werden.

Am Dienstag, d. 25. März 2003 schreibt Der Schriftführer in das Protokollbuch:

"Heute erfährt unser Museum eine wertvolle Bereicherung. Der von Webermeister Oskar Matt / Segeten in Zusammenarbeit mit dem Spender Paul Schmidle von Niederhof in monatelanger Tüftlerarbeit wieder zu voller Funktionstüchtigkeit instandgesetzte Webkopf wird von Segeten ins Museum gebracht... Mit dem eigenen Hänger fährt Paul Schmidle das schwere Gerät nach Görwihl. Das Hauptstück (ohne Untergestell), der sogenannte Webkopf, der rund 100 Kg wiegt, wird von Paul Schmidle, Oskar Matt, Fritz Maier und Harald Scheuble abgeladen, gemeinsam in den Lift getragen und an den vorbereiteteten Platz aufgestellt..."

 

Im Erdgeschoss haben neben der Salpetererwerkstatt die bäuerlichen und einige handwerklichen Gerätschaften Platz gefunden, die in Haus und Scheuer gebraucht wurden. Hier gibt es einige längst vergessene aber früher unentbehrliche Werkzeuge und Werkstücke zu sehen und mancher der älteren Besucher erinnert sich noch daran, sie im Hause der Eltern oder Großeltern gesehen zu haben. Doch längst ging alles dies verloren, wurde weggeworfen oder verbrannt. Das Museum aber bewahrt den Alltag auf und holt ihn in das Gedächtnis der Gegenwart zurück. Nicht immer zu erbaulicher Erinnerung; manchmal als Mahnung und Hinweis darauf, dass wir froh sein dürfen, dass diese harten und entbehrungsreichen Zeiten überwunden sind, die keineswegs stets "gut" waren.

 

 

 

Seit der Eröffnung des Museum sind in diesem Jahre (2006) zwanzig Jahre vorbei gegangen. Nach zehn Jahren "Vorlaufzeit" also, konnte der Verein ein mehrstöckiges Haus beziehen und mit der Zeit bis unter das Dach nutzen. In jedem Jahr kommen, folgt man den Jahresberichten des Vereins, zwischen 2500 Besucherinnen und Besucher in das Museum. Das sind sehr viele, wenn man sich vor Augen hält, dass das Museum nur an Sonntagen und das auch nur zwischen Ostern und Martini jeweils zwei Stunden geöffnet ist. Allerdings sind jederzeit Gruppenführungen möglich, die einen erheblichen Anteil der Besucherzahlen ausmachen.

Zum Schluss noch einige Erinnerungsbilder und Berichte, die zugleich Auskunft darüber geben, wie die reichhaltigen Sammlungen zusammenkamen.

 

 

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Zeitungsauschnitt_Spende

Gassmann

Am 29. Juli 1996 überreichen Hanna Gärtner, Christel Sohn und Johann Gassmann
von der Trachtengruppe Hauenstein
Herrn Dr. Feige für das Heimatmuseum eine Hauensteiner Mädchentracht mit Häubchen

 

 

 

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