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Heimatkundliches über den Hotzenwald und seine Umgebung

 

Einige Informationen über den Hotzenwald

 

 


1. Naturräumliche Gliederung

Die Gestalt des Hotzenwaldes, wenn man ihn vom Flugzeug aus erkennen könnte, ähnelt einem Rechteck bzw. einem Rhombus: Im Norden, also am Übergang zum Hochschwarzwald, ist der Hotzenwald ca. 15 Kilometer breit, im Süden, also entlang des Hochrheins ca. 20 Kilometer. Nach Westen und Osten erstreckt sich die Seitenlänge auf rd. 25 Kilometer. Im Westen liegt am Fuße des Hotzenwaldes zwischen Schopfheim und Wehr-Öflingen der Dinkelberg. Im Osten endet der Hotzenwald an den Flussläufen Schwarza und Schlücht. Doch darüber streiten sich Geographen und Historiker. Wegen der unterschiedlichen Gesteinsarten im Untergrund bildet für Geologen die Alb die Westgrenze. Doch wenn man das „Hauensteiner Land“ (den alten vorderösterreichischen Verwaltungsbezirk  Grafschaft Hauenstein) mit dem Hotzenwald gleich setzt, dann gehören die Einungen jenseits der Alb (also Höchenschwand oder Birndorf z. B.) dazu. Bei Metz erstreckt sich der Hotzenwald sogar bis zum Steinatal (1980, S. 866 u. 876).

Die höchsten Erhebungen finden wir entlang der nördlichen Grenze mit dem Hochkopf (1.263 m), Farnberg, Lehenkopf und Höchenschwander Berg mit Höhenlagen um die 1.100 m. Am Rheintal im Süden ist der Hotzenwald auf 300 m herabgefallen. Innerhalb einer Entfernung von nur 20 Kilometern (Luftlinie) ist der Hotzenwald also um rd. 700 m herunter „gestürzt“.
Vom Hornberg im Westen über Rickenbach, Hottingen, Segeten, Rotzingen und weiter jenseits der Alb über Brunnadern und Nöggenschwiel erstreckt sich ein fast durchgehendes Waldband, der „Landhag“ oder „Hagwald“ genannt wird. Dieser Hagwald gliedert den Hotzenwald in einen nördlich gelegenen  hinteren Teil und einen südlich gelegenen vorderen Teil.

Diese Skizze ist dem Buch von Rudolf Metz entnommen (S. 121). Metz deutet die Morphologie des Hotzenwaldes an und zitiert aus einer Beschreibung von 1786: „Der ganze Schwarzwald ist eine etwas unebene, nur mit Hügeln besetze Fläche…“ und fährt fort:
„Sie wurden von den Bewohnern „uff´m Wald seit alters als Berge bezeichnet…Auf diesen hochgelegenen Bergen mit ihren Verebnungen und ackerbaren Moränenböden entstanden die Wohnplätze der Hotzen. Nur wenige Stichwege führten steil hinab zu den Mühlen an Wasserläufen in den verkehrsfeindlichen  Tä
lern."
berge

 

 

2. Geologische Besonderheiten

Wenn man von Häusern / Höchenschwand auf der B 500 nach Waldshut fährt, dann wird die Besonderheit des Wechsels von relativ flach abfallender zu steil abfallender Landschaft erlebbar: Bis etwa bei Waldkirch unterhalb des „Gupfen“ senkt sich die Straße sanft abwärts und man kann links und rechts sehen, dass der obere Hotzenwald einige Hochflächen hat. Dann aber geht es ziemlich steil und kurvig hinunter nach Waldshut. Und links und rechts der Straße ist viel Wald.
Noch dramatischer wird die Fahrt von Häusern aus, wenn man Richtung St. Blasien und von dort aus das Albtal hinunter fährt. Ist man erst unten an der Ibacher Säge angekommen, geht es über den Dachsberg und an dessen östlichem Rand entlang noch sanft bergab. Doch dann, unterhalb von Vogelbach steigt der Wald links und rechts die steilen Hänge hinauf und ab Tiefenstein beginnt die Albtalschlucht und die Straße nach Albbruck ist nicht nur recht schmal, sondern schlängelt sich durch fünf enge Tunnel hinunter ins Tal.
Vergleichbar sind die Straßen vom  Norden nach Süden auch im Wehratal, im Murgtal und im Schlüchttal.
Es sind also einmal die nach Süden abfallenden Terrassen und die ebenfalls nach  Süden in das Rheintal mündenden tief eingeschnittenen bewaldeten Täler, die die Terrassen durchschneiden, die das Erscheinungsbild des Hotzenwaldes charakterisieren.

Diese tiefen Täler aber sind es auch, die Straßenverbindungen von Ost nach West erschweren. Wer von Görwihl, dem Hauptort des Hotzenwaldes, nach Wehr unter dem Westabhang des Hotzenwaldes fahren will, muss stets hinunter und hinauf über kurvenreiche Straßen fahren. Sowohl nach Bad Säckingen ins Rheintal vom Eggberg aus, als auch nach Wehr ins Wehratal von Bergalingen aus, geht es besonders steil  bergab.
Die Westseite des Hotzenwaldes ist etwas ganz Besonderes! Kommt man von Rheinfelden her durch das Rheintal oder von Lörrach her durch das Wiesental auf den Hotzenwald (nach Osten) zu, dann erhebt er sich gleichsam wie eine steile hohe Mauer aus der Ebene. Bei guter Sicht markiert die waagerechte Kante des Hornbergbeckens den oberen Rand des Gebirges.
Die ältesten Gesteine im Hotzenwald sind Gneise und Migmatite. Der größte Teil des Hotzenwaldes aber ist Granitland. Unterschieden werden der weiße Schluchseegranit, der rötliche Bärhaldegranit, der St. Blasier Granit und der Albtalgranit. Alle diese Gesteine machen das Grundgebirge aus, zu denen sich das auch Rotliegende bei Säckingen gesellt. Die Geologen sprechen wegen dieser Vielfalt an Gesteinen aus der Zeit paläozoischer Gebirgsbildungen von einem „verwirrenden Bild“. Interessant und von großer wirtschaftlicher Bedeutung sind die Gesteine aber bis heute. Die Steinbrüche und Granitwerke zum Beispiel im Albtal liefern unverzichtbares Material für den Straßen- und Häuserbau.
Die Grundgebirge werden im Südosten und Osten des Hotzenwaldes von einem Deckgebirge überlagert. Diese Gebirgsschicht besteht aus Buntsandstein, der im Raum Waldshut/Doggern in drei Formen vorkommt:
oben auf liegt der rote Tonstein (Röt),
darunter roter und violetter, toniger Sandstein mit Karneol,
darunter grober Sandstein (Mühlsandstein).
Vor allem in unseren Städten am Hochrhein findet man noch viele Bauwerke, für die die hier genannten Gesteinsarten verwendet worden sind.
(Metz 1980, S.  26 ff; Schreiner u. Groschopf 2003, S. 31)

 

3. Wirtschaft

Es waren der Waldreichtum, die Moore  und die Eisenerze tief unter der Erde, die die ursprünglichen Gewerbe im Hotzenwald (wie in und um den Schwarzwald herum) bestimmten.  Das Erz wurde von Bergleuten zu Tage gefördert (zum Beispiel die Grube Hermann bei der Schwarzen Säge; 1980, Metz 1980, S. 370) und in mehreren Hammerwerken und Eisenhütten verarbeitet. Dazu brauchte man die Wasserkraft der kleinen Flüsse wie Wehra, Murg, Alb und Schlücht und – vor allem - Holzkohle.  Überall im Wald standen Kohlenmeiler. Es wurde so viel Holz verbraucht, dass vor rd. dreihundert Jahren  die großen Buchenwälder, die einst die Berge bedeckten, fast verschwunden waren. Im neunzehnten Jahrhundert wurden darum unsere Berge vor allem mit der schnellwachsenden Fichte wieder aufgeforstet.
Die Landwirtschaft war während vieler Jahrhunderte der Haupterwerbszweig der Menschen, die im Hotzenwald lebten. Wiesen und Äcker brauchen viel Wasser, mehr, als der Regen bringt. Darum wurden schon früh im Mittelalter (älteste Erwähnung 1207) von den natürlichen Wasserläufen Kanäle abgezweigt. Diese künstlichen Gräben (Wuhren), die über viele Kilometer Wasser leiteten, sorgten für Wasserkraft (zum Beispiel für Hammerwerke) und die Bewässerung überall dort, wo Wasser gebraucht wurde. In vielen Gemeinden kann man diese geschickt angelegten Gräben, in denen sogar Gefälle eingebaut waren, die Mühlräder antrieben, noch heute bewundern. In Görwihl zum Beispiel, wo die Wuhren „Forellenbach“ und „Mühlebach“ heißen. Für den  Bau dieser Wassergräben, wie anschließend für ihre Pflege, aber auch, um das Wasser an die Nutzer gerecht zu verteilen, schlossen sich die Bauern zusammen und gründeten sogar  Genossenschaften.
Weil die Täler so tief, und die Wege auf den Wald so beschwerlich und steil waren, kamen kaum beladene, von Ochsen oder Pferden gezogene Wagen hinauf in den Hotzenwald. Nur im Rheintal gab es eine unbefestigte breitere Straße, die von Basel nach Schaffhausen, bis Laufenburg auf der linken Rheinseite und dann über Waldshut und Tiengen auf der rechten Rheinseite führte. aus Die Straße von Schluchsee  nach Waldshut wurde z. B. erst 1825 errichtet. Heute ist sie als B 500 eine viel befahrene Straße.
Seit dem neunzehnten Jahrhundert gab es in Görwihl eine Poststation. Der Postillion, der von der Amtsstadt Waldshut (Alte Post, seit ca. 1780) kam, fuhr einmal in der Woche mit seiner Kutsche über den Estelberg nach Tiefenstein und von dort hinauf nach Görwihl.
Diese ungünstige Verkehrslage hatten Folgen: in die Abgeschiedenheit der Hotzenwalddörfer vor allem des hinteren Hotzenwaldes, lenten die Menschen recht abgeschieden. Dorthin kam zunächst keine moderne Industrie. Die Menschen lebten mehr schlecht als recht allein von dem was Wald und  die kargen Böden hergaben und arbeiteten in den Eisenerzgruben oder übten, meist neben ihrer Bauernwirtschaft, Handwerke aus. Im vorderen Hotzenwald, also in den Dörfern wie Bergalingen, Rickenbach, Herrischried oder Görwihl, hatte es dagegen schon im achtzehnten Jahrhundert die Hausweberei gegeben. Schweizer Unternehmer ließen Webstühle in die Bauernhäuser auf den Wald bringen und von den Bäuerinnen und Bauern Seidenbänder weben. Da es ja keine Straßen gab, mussten Werkzeuge und Material auf kleinen Karren oder auf dem Rücken mühsam über Wald- und Feldwege in die Dörfer hinaufgetragen und die fertige Ware wieder hinunter ins Rheintal gebracht werden. Die Seidenbandweberei wurde zu einem zusätzlichen Erwerbszweig und bewahrte viele Familien vor dem verhungern. 1903 kam sogar Elektrizität auf den Wald, als die Seidenbandweber eine Genossenschaft gründeten, Geld einzahlten und Stromleitungen von dem 1891 in Betrieb gegangenen  Kraftwerks Rheinfelden hinauf in den Wald legten. Nun brauchten Webstühle nicht mehr mühsam von Hand, sondern konnten elektrisch betrieben werden. Diese Erleichterung führte sogar dazu, dass in einem Bauernhaus mehrere Webstühle gleichzeitig betrieben wurden. Reich geworden ist freilich keiner der Seidenbandweber.
Die Eisenbahnstrecke am Hochrhein von Basel nach Waldshut wurde 1856 fertig. Die Straße durch das Albtal bis St. Blasien, wo sich bereits erste Industriebetriebe (zum Beispiel im ehemaligen Kloster) niedergelassen hatten, wurde gleichzeitig errichtet. Ab 1865 fuhr auf dieser Straße sogar ein Postomnibus. Albbruck mit seinem Bahnhof wurde, vor allem seit die Papierfabrik dort errichtet worden war, zu einem bedeutenden Güterumschlagplatz
Nach dem Zweiten Weltkrieg war lange Zeit die Verbindung zu den Schweizer Unternehmern, die die Webstühle an die Weder verpachtet hatten abgeschnitten. Hinzu kamen die große Not der Nachkriegsjahre in ganz Deutschland und die harten und langen Winter (vor allem 1946/47), die zu Ernteausfällen führten. Die Bewohner des Hotzenwaldes hatten besonders unter den Kriegsfolgen zu leiden. Sogar der Wiederaufbau der dann nach dem Kriege einsetzte, ging, gerade wegen der schwierigen Verkehrslage, am Hotzenwald vorbei. Es gab inzwischen zwar Straßen, die durch die Täler hinauf in den Wald führten. Doch noch immer gab es mehr Ochsen- und Pferdefuhrwerke, als Autos oder gar Lastwagen. In den fünfziger Jahren wurde darum von der Baden-Württembergischen Regierung der Hotzenwald zum „Notstandsgebiet“ erklärt und eine besondere Förderung gestartet. Am Anfang der Maßnahmen stand der Straßenbau. 1953 zum Beispiel wurde die Straße von Oberwihl nach Görwihl eingeweiht. Die Zufahrtstraßen durch die Täler wurden so befestigt bzw. ausgebaut, dass auch die schweren Lastwagen sie befahren konnten. Außerdem wurden Buslinien eingerichtet, damit mehr Menschen in das Rheintal zur Arbeit fahren und endlich auch Kinder weiterführende Schulen besuchen konnten. Wenn zum Beispiel aus der Gemeinde Görwihl 1955 ein Kind eine weiterführende Schule besuchen wollte, dann musste es ins Internat. Die Jungen kamen nach Meersburg, die Mädchen nach Lahr.
In den sechziger Jahren begannen wirtschaftlicher Aufschwung und allgemeiner Wohlstand auch den Hotzenwald zu erreichen. Seither hat sich die Lage grundlegend verändert. Es sind vor allem die vielen Berufspendler, die im Rheintal oder in der Schweiz zur Arbeit gehen, die die Not überwanden halfen. Größere Industrieunternehmen haben Filialen im Hotzenwald eingerichtet. Auch der Fremdenverkehr, dessen Anfänge bis in die Mitte des achtzehnten Jahrhunderts reichen, wird mehr und mehr zu einem bedeutenden Erwerbszweig. Insofern hat der motorisierte Verkehr erheblich zugenommen, so dass der Straßenbau und die Instandhaltung der Verkehrswege ebenfalls an Bedeutung gewannen.

 

4. Aus der Siedlungsgeschichte und über die Bewohner des Hotzenwaldes

Die ursprünglichen Herrschaftsgrenzen der ländlichen Gebiete am Hochrhein sind vermutlich im Zuge alemannischer Besiedlung im vierten und fünften Jahrhundert unserer Zeitrechnung entstanden. Die von den Römern überlieferten Bezeichnungen germanischer Stämme in bestimmten Siedlungsregionen führten in karolingischer Zeit, also im achten und neunten Jahrhundert, zu den zum Teil noch heute gebräuchlichen alten Gaunamen. In unserer Region sind das zum Beispiel der Breisgau, der Sundgau, der Klettgau, der Frickgau, der Hegau, der Aargau oder der Thurgau Nicht mehr gebräuchlich ist der Name "Albgau". Er war dem Gebiet gegeben worden, das zwischen der Wutach im Osten und der Murg im Westen liegt. Die Höhen des Hotzenwaldes gehörten also zum Albgau. Der Wald wurde jedoch bis zum frühen Mittelalter von Menschen als Wohngebiet gemieden.
Es durchstreiften aber bereits vor zehntausend Jahren Jäger und Sammler die Wildnis mit ihren Familien in den wärmeren Jahreszeiten und folgten den Zügen der Wildtierherden. Später lebten in den Talauen der Flüsse und den leichter zugänglichen Vorbergzonen des Schwarzwaldes die Kelten, die sich in der Schwarzwaldregion ab ca. 600 Jahre vor Christi nachweisen lassen. Sie hatten sich für Kriegszeiten auf schwer zugänglichen Höhen und nur für die Zeit der größten Gefahren, Rückzugsräume geschaffen. Um die Zeitenwende stießen die Römer bis zum Rhein und weiter nach Norden vor. Während der ersten dreihundert Jahre unserer Zeitrechnung hielten sie die Landschaften beiderseits des Rheines besetzt. In den Wald drangen die Römer nicht ein. Als das Christentum fünfhundert Jahre nach Christi Geburt auch in unserem Raum Fuß fasste, werden sich erste Eremiten in die Abgeschiedenheit von Schwarzwaldtälern zurückgezogen haben.

Seit dem frühen Mittelalter änderte sich die Situation. Der Wald war keineswegs einladender geworden und die Berge blieben so schroff und steil, wie sie immer waren. Die Zahl der Menschen aber hatte zugenommen, und die leichter bebaubaren Gebiete in den Tälern und in den Jurabergen jenseits des Rheins waren besiedelt. Heinrich Schwarz, der in Schwerzen zu Hause war, untersuchte 1941, wie der südliche Schwarzwald erschlossen wurde. Er beschreibt und deutet mit großer Liebe zum Detail die Geschichte der Besiedlung des Hotzenwaldes. Der Historiker fiel im Zweiten Weltkrieg in Russland, bald nachdem seine Arbeit vom Alemannischen Institut in Freiburg veröffentlicht worden war. Auch auf seine Forschungsarbeit stützen sich die nachfolgenden Aussagen.

Die ersten Bemühungen, weiter in den Wald vorzudringen und ihm landwirtschaftlich nutzbares Land abzuringen, (erste Ausbauphase) sind vom siebenten bis zum neunten Jahrhundert zu datieren. Sie sind, folgen wir Schwarz und Haselier, sowohl den alten alemannischen Adelsgeschlechtern, wie zum Beispiel den eben erwähnten Krenkingern, als auch den alemannischen Frühklöstern in unserem Raum wie Säckingen, Rheinau und St. Gallen zu verdanken. Das Fridolinsstift in Säckingen, das älteste Kloster am Hochrhein, hatte schon früh (vor dem 9. Jahrhundert) vom Süden her die Besiedlung der niederen Stufen des Hotzenwaldes über den Hochrhein betrieben. Besonders in Murg, Oberhof und Egg, später auch in Herrischried, hatte das Frauenkloster reichen Besitz.

In der zweiten Ausbauphase während des zehnten und elften Jahrhunderts dringen die Siedler auf die Hochflächen zwischen den Talschluchten vor. Gerodet wurden die Gemarkungen von Rickenbach, Herrischried, Görwihl und dann weiter in Richtung Nordosten entlang der Flüsse Alb, Schwarza, Mettna und Schlücht bis Brenden und Birkendorf. An diesen Rodungen der zweiten Ausbauphase in den ausgedehnten und zum Teil schwer zugänglichen Waldgebieten aber hatten die Klöster Rheinau, St. Gallen oder Säckingen keinen nennenswerten Anteil. Im Westen zum Beispiel wurden bis hinauf in den Raum Bergalingen, Rickenbach, Hornberg und Niedergebisbach Bauern von der Grafschaft Wehr aus geworben (Jehle, 1969 S. 43).
Um die Mitte des elften Jahrhunderts (1065) erschien in den erhaltenen Urkunden das etwa einhundert Jahre zuvor von Reginbert begründete St. Blasien als selbstständiges Kloster und ließ sich seinen Besitz vom Kaiser, dem alles unbebaute Land gehörte, bestätigen. Die geschlossenen hochgelegenen Waldgebiete, über die das Kloster verfügte, - seit 1328 wird dieser Bezirk in den Urkunden der "Zwing und Bann" genannt, - mussten gerodet werden. Die im zwölften und dreizehnten Jahrhundert von den Mönchen des Klosters St. Blasien veranlassten Rodungsleistungen, gehören der dritten und letzten Ausbauphase des Hotzenwaldes an.

Für die Mönche waren Kolonisierungsarbeiten gleichsam Gottesdienst. Sie folgten dem Auftrag, sich die Erde untertan zu machen und sicherten sich gleichzeitig ihr Auskommen und das vieler Bauern, die ihnen Naturalsteuer zahlen mussten. Da nach der damals gültigen Rechtsordnung mit der leihweisen Vergabe von Grund und Boden an die Bauern zugleich ein persönliches Bindungsverhältnis begründet wurde - die Pächter dieser Höfe mussten zum Beispiel schwören, nicht wegzulaufen und ohne Zustimmung des Grundherrn nicht zu heiraten - sprach man von "Hörigen" oder auch "Eigenleuten". Der Rechtstatus "Freiheit" oder "Unfreiheit" war also an das jeweilige Hofgut gebunden. Im Laufe der Jahrhunderte hatte die Zahl freier Bauern ab - und die Zahl der Hörigen oder unfreien Bauern zugenommen. Klöster - auch St. Blasien - kamen durch Stiftungen und Schenkungen in den Besitz ihrer Ländereien. St. Blasien trieb in den nachfolgenden Jahrhunderten die Kolonisation in seinem Zwing und Bann voran. Es entstanden Siedlungen unter anderem im Schluchseegebiet, im Bernauer Tal oder auf dem Dachsberg. Weiter nach Süden, jenseits der Grenze des Zwing und Bann, stieß das Kloster auf die bereits früher gerodeten Gebiete.  Die folgende Kartenskizze ist dem Buch von Chytroschek-Leisinger und Neubauer (1984, S. 43) entnommen und zeigt die Grenzen der Bäuerlichen Selbstverwaltungskörperschaft (den Einungen), wie sie bis 1806 bestanden.

 

Einungsgrenzen 001.jpg

 

Literatur:

Chytroschek -Leisinger,       Leben auf dem Hotzenwald - Gestern und heute. Freiburg 1984
Haselier, Günther                 Geschichte des Hotzenwaldes. Lahr 1973
Hug, Wolfgang                     Im Hotzenwald. Ein Kultur- und Naturführer. Freiburg 2001
Körner, Helge (Hrsg.)          Der Hotzenwald - Natur und Kultur einer Landschaft im
                                            Südschwarzwald. Freiburg  2003
Metz, Rudolf                        Geologische Landeskunde des Hotzenwaldes. Lahr 1980

 

 

 

 

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